Aktuelles

Berufliche Schulen stehen 2016 vor großen Herausforderungen

Geschrieben von Super User

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

zunächst möchte ich Ihnen allen noch ein gutes neues Jahr wünschen. Das Jahr 2016 bietet wieder viele Herausforderungen, die wir meistern müssen – und – werden!

Mehr berufsschulpflichtige Asylbewerber und Flüchtlinge

Werden derzeit ca. 8.100 Schüler in 440 Klassen beschult, so sollen es zum neuen Schuljahr ca. 24.000 Schüler in 1.200 Klassen werden. Dies wird wohl eine der größten Aufgaben sein, die wir in diesem Jahr meistern und bewältigen müssen.

Wir Lehrkräfte an beruflichen Schulen werden uns dieser Mammutaufgabe stellen, aber es geht nicht ohne Unterstützung. Der VLB und der HPR hat in Gesprächen mit Ministerpräsident Horst Seehofer und Staatsminister Dr. Ludwig Spaenle dabei folgende Forderungen vorgebracht:

  • Mehr Lehrpersonal mit DaZ- bzw. DaF-Qualifikation.
  • Schulungen für unsere Kolleginnen und Kollegen.
  • Unterstützung in Form von Dolmetschern, Sozialpädagogen und Schulpsychologen.
  • Finanzielle Mittel, um auch während des Schuljahres flexibel reagieren zu können.
  • Mehr Klassenzimmer zur Beschulung dieser Schülerinnen und Schüler.
  • Eine zeitliche Entlastung für Lehrkräfte, welche in diesen Klassen eine Klassenleitung haben.

Keine Benachteiligung der Azubis mit Lehrvertrag

Bei einem VLB-Gespräch mit der HWK Niederbayern/Oberpfalz wurde u. a. festgestellt, dass die Beschulung dieser Schülerinnen und Schüler zu keiner Benachteiligung der Auszubildenden mit Lehrvertrag führen darf. Ebenso ist zu überlegen, was mit denjenigen Asylbewerbern und Flüchtlingen geschieht, die nach den zwei Jahren Beschulung noch nicht ausbildungsreif sind. Bisherigen Erfahrungen zeigen, dass derzeit höchstens 20 % nach 2 Jahren für eine duale Ausbildung geeignet sind.

Weiterhin ist darüber nachzudenken, wie auch Gymnasien oder Realschulen viel stärker mit ins Boot geholt werden können. Auch an diesen Schulen können Klassen speziell für schulpflichtige Asylbewerber und Flüchtlinge bis zum 18. Lebensjahr geführt werden, die die deutsche Sprache und unsere Werte vermitteln.

Lehrerversorgung optimieren

Leider haben wir an den beruflichen Schulen immer noch keine 100-prozentige Lehrerversorgung. Obwohl sich die Situation aufgrund des offenen VLB-Briefes im Juli 2015 etwas entspannt hat, brauchen wir dringend weiterhin Berufsnachwuchs. Dazu müssen Planstellen und finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt werden, um den Berufsnachwuchs für die beruflichen Schulen zu gewinnen. So werden zum neuen Schuljahr wieder Sondermaßnahmen durchgeführt. Dies kann jedoch auf Dauer nicht der richtige Weg sein, um dem Bedarf zu decken. Wir müssen es endlich schaffen, junge Leute von einem Lehramtsstudium für berufliche Schulen zu überzeugen. Dazu gehört auch, dass die Anforderungen und der Ablauf des Studiums überdacht werden. Die Studentengruppe des VLB wird dazu demnächst einige Vorschläge unterbreiten.

VLB-Berufsbildungskongress 2016 in Deggendorf

Am 25. und 26. November 2016 findet der VLB-Berufsbildungskongress in Deggendorf statt. Dazu laufen die Planungen bereits auf Hochtouren. Neben den Weichenstellungen für die weitere Verbandsarbeit werden die Wahlen für die Verbandsgremien ein Schwerpunkt des Kongresses sein.

Personalratswahlen 2016

Das zweite herausragende Ereignis 2016 sind die Personalratswahlen. Es werden

  • die örtlichen Personalräte,
  • die Bezirkspersonalräte
  • und der Hauptpersonalrat neu gewählt.

Viele Kolleginnen und Kollegen stellen sich wieder mit ihrem guten Namen zur Wahl. Dafür möchten wir Ihnen allen schon jetzt herzlich danken. Bitte beteiligen Sie sich an der Wahl, gerne auch per Briefwahl. Nur mit Ihrer Stimme können sich unsere Personalräte auch in Zukunft um Ihre Probleme, Wünsche oder Sorgen kümmern. (siehe auch S. 6)

Zusammenarbeit mit unserem „Dualen Partnern“

Was für andere Schularten die Elternvertretung ist, ist für uns der „Duale Partner“. Nur wenn wir es schaffen, auch unsere Dualen Partner, wie IHK, HWK oder einzelne Ausbildungsbetriebe, mit ins Boot zu holen wird es gelingen unsere Forderungen noch besser durchzusetzen. Versäumen Sie es deshalb nicht, immer wieder bei Gesprächen mit den Vertretern unserer Dualen Partner auf unsere berechtigten Forderungen hinzuweisen.

Gemeinsam werden wir auch das Jahr 2016 erfolgreich meistern. Wir sind Profis, die sich den Herausforderungen stellen! Kollegen eine Überforderung und Überlastung werden.

Viel Glück, Gesundheit und Erfolg für das neue Jahr,

Ihr Christian Wagner

Das VLB-Jahr 2015 und ein Ausblick in die nahe Zukunft

Geschrieben von Super User

Die letzte Ausgabe des Jahres 2015 der vlb-akzente liegt nun vor Ihnen. In den vergangenen neun Ausgaben erhielten Sie kompetente und aktuelle Informationen über die Verbandspolitik von der Bundes-und Landesebene, aber auch von den Bezirks- und Kreisebenen. Ich danke allen, die dazu beigetragen haben, unsere Anliegen in schriftlicher Form einer breiten Öffentlichkeit kundzutun, die Artikel entsprechend zu bearbeiten und unsere Verbandszeitschrift „vlb-akzente“ zu verbreiten.

Verbandsveranstaltungen im neuen Format
In den zurückliegenden Monaten fanden zahlreiche Veranstaltungen der Verbände der Lehrer an beruflichen Schulen zum Teil in neuen Formaten statt.

FührungskräfteKongress Beruflicher Schulen 2015
vlb-akzente berichtet in dieser Ausgabe ausführlich über den ersten gemeinsam von den Bundesverbänden BLBS und VLW veranstalteten Kongress für Führungskräfte an beruflichen Schulen, der am 1./2. Oktober in Berlin stattfand. Wie notwendig ein solcher Kongress war, zeigt sich darin, dass sich die ursprünglich auf 300 Teilnehmer festgelegte Zahl auf 350 erhöht hat und weitere 50 Personen mit der Aufnahme in eine Warteliste vertröstet werden mussten. Eine Fortsetzung des Kongresses im nächsten Jahr wurde von allen Teilnehmern gewünscht!

Berufliche Fachtagung des VLB in Weiden
Über die erste Berufliche Fachtagung des VLB 2015 in Weiden wird ebenfalls in unserer aktuellen Ausgabe von vlb-akzente berichtet. Der Geschäftsführende Vorstand des VLB hatte beschlossen, anstelle der bisherigen traditionellen kaufmännischen Fachtagung für den Bereich Wirtschaft und Verwaltung eine Fachtagung für alle beruflichen Fachrichtungen durchzuführen. Der VLB will mit diesem neuen Format allen Ausprägungen des beruflichen Schulwesens eine Plattform bieten, auf der sie ihre speziellen oder auch allgemeingültigen Anliegen diskutieren und bearbeiten können. Als VLB-Landesvorsitzender danke ich allen Organisatoren und Teilnehmern unserer Veranstaltungen und bitte sie, unsere Anliegen auch in die Öffentlichkeit zu tragen, damit die beruflichen Schulen nicht hinter anderen Schularten zurückstehen müssen.

„Individuelle Förderung“
Mein Dank gilt auch den Organisatoren der ersten gemeinsamen Veranstaltung mit dem BLV Baden-Württemberg zum Thema „Individuelle Förderung“ am 26.10.2015 in Ulm. Die Berichterstattung zu diesem Top-Thema der aktuellen Bildungspolitik übernimmt freundlicherweise der BLV in einer späteren Ausgabe von vlb-akzente.

Stiftung Wertebündnis Bayern: Lob für Berufsschullehrer
Angesichts der stark zunehmenden Heterogenität der Schülerinnen und Schüler im Bereich der beruflichen Schulen erhalten einerseits Individualisierung und Differenzierung im Unterricht eine immer größere Bedeutung, was auf der anderen Seite aber auch eine besondere Herausforderung für die dort tätigen Lehrkräfte bedeutet.

Der Bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer lobte mehrmals ausdrücklich anlässlich des Festakts zur Gründung der Stiftung Wertebündnis Bayern im Oktober das Engagement unserer Lehrkräfte an beruflichen Schulen und wie sie die Herausforderungen bewältigen – hier ging es insbesondere um die Lehrkräfte an der Berufsschule, die die berufsschulpflichtigen Asylbewerber und Flüchtlinge beschulen. Dies zu hören, war für die anwesenden Mitglieder des Geschäftsführenden Vorstands des VLB besonders erfreulich. Gut, dass das gesprochene Wort gilt, im vorliegenden Redemanuskript konnte ich dieses Lob für unsere Schulart leider nicht finden! (Nachzulesen unter: www.bayern.de Reden des Ministerpräsidenten) Ministerpräsident Horst Seehofer stellte auch dar, dass er im Rahmen des 10-Punkte-Plans „Zusammenhalt fördern und Integration stärken“ die Kindertagesstätten, die Jugendsozialarbeit an Schulen und die Integration in Arbeit und Ausbildung mit rund 23,1 Mio €  unterstützen und die Schulen mit rund 1.079 Lehrerplanstellen und zuzüglichen Aushilfsmitteln stärken will.

Forderungen des VLB: mehr Mittel für BAF-Klassen
Der VLB fordert, dass die Mittel auch dorthin fließen, wo die meisten Aufgaben erledigt werden, nämlich an die beruflichen Schulen. Zum Vergleich: Bereits seit dem Schuljahr 2010/11 wurden an den Berufsschulen in 6 Klassen 100 BAF-Schüler beschult. Mittlerweile sind in 440 Berufsintegrationsklassen ca. 8.100 Schüler untergebracht.

63,11 % der in Bayern lebenden schulpflichtigen Kinder und Jugendlichen mit Fluchthintergrund werden gegenwärtig von den Berufsschulen versorgt. Eine Ausweitung auf bis zu 1.200 Klassen wurde in Weiden von Ltd. Ministerialrat Werner Lucha in Aussicht gestellt.
Die Berufsschulen benötigen zur Bewältigung dieser immensen Herausforderungen:

  • Lehrpersonal, insbesondere Deutschlehrkräfte mit oder ohne DaZ-Qualifikation;
  • zusätzliches sozialpädagogisches und therapeutisches Unterstützungspersonal, Verwaltungspersonal und Sachmittel;
  • finanzielle Mittel, um kurzfristig reagieren zu können;
  • entsprechende Raumkapazitäten und
  • schulinterne und überregionale Fortbildung für Lehrkräfte, die im Bereich BIJ eingesetzt werden und gleichzeitig entsprechende Konzepte für die Lehrerbildung.

Sehr geehrte Leser und Leserinnen, liebe Mitglieder, ich danke Ihnen für Ihr Interesse an unseren Verbandspositionen und Ihre Unterstützung. Ich freue mich, wenn Sie auch an kleineren Verbandsveranstaltungen auf Bezirk- oder Kreisebene teilnehmen und so die Solidarität mit dem VLB bekunden.
Zum Schluss noch ein Dank für die Veröffentlichung des Bayerischen Staatsministeriums für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst in „Schule & wir“ (3/2015) zum Thema „Berufliche Bildung in Bayern“ und das Grußwort des Ministers.

Ich wünsche Ihnen, wo immer Sie auch tätig sind, in Schule, Studienseminar, Schulaufsicht oder im Kultusministerium persönlich und im Namen des Geschäftsführenden Vorstands des VLB gesegnete Weihnachten, erholsame Ferien sowie Gesundheit, Glück und Erfolg im Jahr 2016. Diese Wünsche gelten natürlich auch für unseren Berufsnachwuchs im Studium und Referendariat sowie unsere zahlreichen treuen pensionierten Kolleginnen und Kollegen.

Alles Gute für Sie!

Europäische Bildungssysteme – Estland

Geschrieben von Wilhelm Ott

Rahmenbedingungen europäischer Aus-und Weiterbildung, Berufliche Bildung in Estland/Tallinn – Studienreise des BFW-VLB e.V. in Kooperation mit Tallinna Majanduskool

Anfang Oktober machte sich eine Gruppe von 25 Schulleitern und Mitgliedern der Schulaufsicht aus Bayern auf den Weg nach Estland. Ziel war die estnische Hauptstadt Tallinn.
Wie bereits in den vergangenen Jahren stand auch bei dieser Bildungsreise das berufliche Schulsystem im Mittelpunkt. Unter der Leitung von Dr. Klemens Brosig und mit tatkräftiger Unterstützung durch Heinz Tischler (Leiter der VHS Kronach und profunder Kenner Estlands) wurde ein spannendes und interessantes Programm zusammengestellt, das aufgrund der Anerkennung durch die EU durch Erasmus+ gefördert und finanziert wurde. Elen Raudsepp, Direktorin für Entwicklung an der Tallinner Wirtschaftsschule, begleitete die Gruppe in Tallinn.

Erste Eindrücke und Informationen
Nach der Anreise am Sonntagnachmittag von Nürnberg über Frankfurt nach Tallinn und dem "Check in" im Hotel hatte die Gruppe den Abend zur freien Verfügung. Eine erste Erkundung der Altstadt von Tallinn war deshalb obligatorisch. In Tallinn leben ca. 430.000 Einwohner, darunter sind knapp 39 % ethnische Russen. Estland hat etwa 1,3 Millionen Einwohner, davon sind ca. 70 % ethnische Esten, 25 % Russen, 1,7 % Ukrainer, 1 % Weißrussen und ein geringerer Prozentsatz Finnen. In Estland spricht man Estnisch, das auch die offizielle Landessprache ist, aber auch Russisch. Russisch ist vor allem im Nordosten des Landes, in dem mehrheitlich eine russischsprachige Bevölkerung lebt, die gängige Verkehrssprache. (Quelle: http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Aussenpolitik/Laender/Laenderinfos/01-Nodes_Uebersichtsseiten/Estland_node.html)
Estland zählt mit Litauen und Lettland zu den baltischen Staaten. Es hat eine sehr wechselvolle Geschichte hinter sich, bei der meist fremde Mächte um die jeweilige Vorherrschaft im Land und an der Ostsee rangen: Russen, Dänen, Deutsche, Schweden oder auch Polen wechselten sich ab. Im 20. Jahrhundert bestimmten vor allem die Auswirkungen des Hitler-Stalin-Paktes die Geschicke des Landes. Zunächst von der Sowjetunion besetzt und 1940 eingegliedert, kamen 1941 die deutschen Truppen und Estland, Lettland und Litauen wurden Teil des Deutschen Reiches. Im Herbst 1944 eroberte die Rote Armee die baltischen Staaten zurück und Estland blieb bis 1991 Teil der Sowjetunion. Für die estnische Bevölkerung waren die jeweiligen Besatzungen mit Massendeportationen und anderen Gräueltaten verbunden. Erst im Zuge der Öffnung und des Zerfalls der Sowjetunion konnte Estland (und Lettland und Litauen) die Unabhängigkeit gewinnen. Estland ist seit 2004 Mitglied der Nato und der EU. Im Jahr 2011 führte Estland den Euro ein, die Staatsverschuldung liegt bei gerade mal 10 %. Das Land verzeichnet einen deutlichen Geburtenrückgang, erschwerend kommt hinzu, dass viele junge und qualifizierte Esten ihre Heimat verlassen, um eine besser bezahlte Arbeit innerhalb der EU oder in Norwegen zu finden. Die Nähe Russlands und die Ereignisse bei der Annektierung der Krim nähren heute bei vielen Esten die Angst vor einer erneuten russischen Aggression. (Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Estland)

Stiftung Innove
Das offizielle Programm begann am Montagmorgen mit dem Besuch der Stiftung Innove. Sie wurde 2003 von der estnischen Regierung gegründet und untersteht dem estnischen Bildungs- und Forschungsministerium. Vorläufer der Stiftung war eine Organisation, die sich mit der beruflichen Bildung und Ausbildung in Estland befasste (Vocational Education and Training Reform Estonia). Im Jahr 2012 wurde das National Examination and Qualification Centre (NEQC) in die Stiftung Innove integriert, deren Hauptaufgabe die Umsetzung der nationalen Bildungs- und Sprachenpolitik in die Praxis war. Ziel von Innove ist es, Programme des lebenslangen Lernens zu entwickeln, wichtige Projekte umzusetzen und dafür zu sorgen, dass die Mittel der Strukturhilfe der EU in effizienter Weise umgesetzt werden. In Estland gibt es heute 41 berufliche Schulen in denen etwa 2100 Lehrkräfte arbeiten.

Tallinna Majanduskool
(Wirtschaftsschule)
Nachdem die Gruppe bei Innove einen ersten Einblick in das estnische berufliche Schulwesen erhalten konnte, folgte der Besuch der im Jahr 1906 gegründeten Tallinner Wirtschaftsschule (Tallinna Majanduskool). Im laufenden Schuljahr besuchen 1538 Schülerinnen und Schüler und Studentinnen und Studenten den Unterricht in den Fachbereichen Buchhaltung und Steuerwesen, Sekretariat und Assistenz und Wirtschaftswissenschaften. Der Unterricht findet in estnischer Sprache, aber auch in Russisch statt. Alle Abschlüsse führen nach dem Europäischen Qualifikationsrahmen (EQF) zu Qualifikationen der Stufe 5 (die Abschlüsse deutscher Berufsschulen enden in der Regel bei Stufe 4). An der Schule arbeiten mehr als 100 Lehrerinnen und Lehrer, etwa 30 unter ihnen in Vollzeit. Nach einer informativen Einführung gab es ausführliche Gelegenheit, die Räumlichkeiten der Schule zu besichtigen und ins Gespräch mit Lehrern und Schülern zu kommen.

Stiftung für Informationstechnologie HITSA
Der dritte Termin an diesem Tag führte schließlich zu einer weiteren Bildungsorganisation, HITSA (Information Technology Foundation for Education), der Stiftung für Informationstechnologie für Bildung. HITSA wurde, wie Innove, vom estnischen Staat, den Universitäten in Tallinn und Tartu sowie estnischen Telekommunikationsunternehmen gegründet. HITSA ist nicht kommerziell ausgerichtet. Aufgabe der Stiftung ist es, dafür zu sorgen, dass die Absolventen aller Bildungsabschlüsse beim Lernen und Lehren die digitalen Kenntnisse und Fähigkeiten erhalten, die notwendig für die weitere wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung Estlands sind. Ziel ist die letztlich die Erhöhung der Qualität beim Lehren und Lernen. HITSA versteht sich dabei als Initiator und Begleiter der Innovationen und Entwicklungen im Lehr- und Lernbereich. Es werden Fortbildungen für Lehrkräfte und Schulleiter angeboten. HITSA vertritt Estland im Übrigen bei internationalen Kooperationsprojekten im Bereich der IT und der Bildung.

Tööstushariduskeskus (Tallinn Industrial Education Centre)
Das Tallinn Industrial Education Centre ist eines der größten beruflichen Schulzentren Estlands. Hier werden unter anderem Mechatroniker, KFZ-Mechaniker, Schweißer, aber auch Friseure, Schneider und Verkäufer für Kleidung ausgebildet. Die Ausbildung dauert zwischen drei und dreieinhalb Jahren, bei Schülern, die bereits eine höhere Schulbildung mitbringen, verkürzt sich die Schulzeit auf ein bis zweieinhalb Jahre. Die Schule bietet sowohl „klassischen“ Unterricht, als auch Fernstudienprogramme an. Das Schulzentrum besitzt für alle Ausbildungsrichtungen neben den üblichen Unterrichtsräumen eine große Zahl von sehr gut ausgestatteten Fachräumen und Werkstätten für die praktische Unterweisung, die – wie in allen anderen beruflichen Schulen Estlands – nicht in Betrieben stattfindet. Im Anschluss an die erfolgreiche Ausbildung können die Schüler ihre Kenntnisse an Fachhochschulen oder Universitäten vertiefen und weitere, akademische Abschlüsse erwerben. (Quelle: http://www.tthk.ee/?id=831)

TallinnaTeeninduskool (Tallinn Service School)
Das Mittagessen fand in der Tallinner Schule für Service statt. Hier werden die Gastronomie- und Hotellerieberufe, Reinigungsfachkräfte, Bäcker und Verkäufer ausgebildet. Je nachdem, welche Vorbildung die Schüler mitbringen und welchen Abschluss sie anstreben, dauert die Ausbildung zwischen sechs Monaten und drei Jahren. Ein geringer Prozentsatz der Schüler absolviert die Ausbildung in Fernkursen, es gibt einige Kurse, die von Schülern besucht werden, die bereits arbeiten. 59 % der Lehrpläne sind in estnischer, 41 % in russischer Sprache. Zur Zeit besuchen etwa 900 Schülerinnen und Schüler die Schule, sie werden von etwa 60 Lehrkräften unterrichtet. (Quelle: http://www.teeninduskool.ee/index.php/kooli-ueldinfo)
 
Tallinna Ehituskool (Tallinn Construction School)
Der letzte Programmpunkt des Tages führte uns zur Tallinner Schule für Bau- und Elektroberufe. Die Tallinn Construction School ist das führende Schulzentrum für diese Berufe in Estland. Die Schule wurde 1947 gegründet. Der Unterricht findet hier – wie in den anderen Schulzentren – in estnischer und russischer Sprache statt. Es werden Mauerer, Betonbauer, Zimmerer, Holz- und Steinrestaurateure und Elektriker ausgebildet. Die Schule arbeitet eng mit dem estnischen Handwerk zusammen. Die Schule ist Prüfzentrum für Bau-, Holz- und Elektroberufe und wird aktuell von 518 Schülern besucht (davon etwa ein Fünftel russisch sprechende), die von etwa 50 Lehrkräften unterrichtet werden. Auch in diesem Schulzentrum dauert die Ausbildung zwischen sechs Monaten und drei Jahren. (Quelle: http://www.ehituskool.ee/home/review/)

Deutsche Botschaft
Der Besuch der Deutschen Botschaft war sicher noch einmal ein Höhepunkt der Reise. Die Teilnehmer konnten vom stellvertretenden Botschafter viele Hintergrundinformationen über Land und Leute erhalten, die man üblicherweise als Tourist nicht erfahren würde.

Evaluation und Erkenntnis
Vor der Rückreise nach Deutschland fand am Donnerstagmorgen noch eine Evaluation der vergangen Tage statt. Was bleibt an Erfahrungen hängen? An allen Schulen wurde die Gruppe sehr gastfreundlich empfangen, bemerkenswert war vor allem die große Offenheit den ausländischen Besuchern gegenüber.
Auch in Estland kennt man eine duale Berufsausbildung wie hierzulande nicht. Für die Betriebe ist es schlicht unverständlich, warum sie einen Teil der Berufsausbildung mit übernehmen und vor allem für Auszubildende Geld zahlen sollen. Gleichzeitig hat Estland aber einen recht erfolgreichen Weg bei der beruflichen Bildung junger Menschen eingeschlagen. Die Jugendarbeitslosigkeit ist im EZU-Vergleich mit 13 % relativ niedrig und so gibt es aus estnischer Sicht keinen Grund, über die Berufsausbildung grundlegend neu nachzudenken.
Die Abwanderung junger Menschen in das europäische Ausland und der Geburtenrückgang stellen das Land jedoch zunehmend vor Probleme.

Hauptveranstaltung der VLB-Fachtagung „Berufliche Bildung“ in Weiden: „Wer den größten Teil der Last schultern muss, braucht selbstverständlich auch die meisten Ressourcen!“

Geschrieben von Dr. Siegfried Hummelsberger

Wenn der VLB kommt, strahlt die Sonne in der Oberpfalz – zur Fachtagung „Berufliche Bildung“ in der Europa-Berufsschule zeigte sich Weiden von seiner schönsten Seite. Die Hauptveranstaltung stand – wie von den Berufsbildungskongressen her gewohnt – im Zeichen der Bildungspolitik.

Für die berufliche Bildung ist das Beste gerade gut genug
Nach der musikalischen Einführung durch den Posaunenchor begrüßte Sophia Altenthan, BV-Vorsitzende der Oberpfalz, die zahlreich anwesenden Gäste und bedankte sich beim Hausherren und den Organisatoren für die Ausrichtung. In launiger Art schloss sich Josef Weilhammer, Schulleiter der Europa-Berufsschule Weiden, an und betonte insbesondere die Bedeutung hochqualifizierter Lehrkräfte: „Für die berufliche Bildung ist das Beste gerade gut genug.“ Beispielhaft zeigte er das Engagement und die Qualifikation der Lehrkräfte an beruflichen Schulen an Beispielen aus seiner eigenen Schule, von Unterrichtsprojekten bis hin zum Engagement in Flüchtlingsklassen. „Das Geheimnis unseres Erfolgs in der Dualen Bildung sind die herausragenden Pädagogen – dafür einen herzlichen Dank!“

„Wir schaffen das!“
Auch der Weidener Oberbürgermeister Kurt Seggewiß betonte in seinem Grußwort Flexibilität und Qualität der beruflichen Bildung in Zeiten der industriellen Revolution 4.0, der Inklusion und des Strukturwandels – dies alles stelle die Schulen vor gewaltige Herausforderungen. Mit nachdenklichen Worten ging Seggewiß insbesondere auf die Flüchtlingsthematik ein, lobte die Berufsschulen für ihr hohes Engagement und wies nachdrücklich darauf hin, dass die Demokratie die Lösung und nicht das Problem sei: „Wenn aber Sozialneid propagiert wird, ist das der Nährboden für Extremismus.“

Kaufmännische Fachtagung zur beruflichen Fachtagung umgebaut
Jürgen Wunderlich, VLB-Vorsitzender, erklärte zunächst, warum die bisherige ‚kaufmännische Fachtagung’ des VLB zur einer ‚beruflichen Fachtagung’ umgebaut wurde; Hintergrund sind die Bestrebungen, den kaufmännischen und gewerblichen Teil noch stärker zusammenzuführen, gerade auch im Hinblick auf die Entwicklungen in den Bundesverbänden. Wunderlich verzichtete auf eine „große Rede“, griff aber ebenfalls das Thema Flüchtlingsbeschulung auf und wies darauf hin, dass die Berufsschulen hier nicht nur zahlenmäßig die größten Anstrengungen aller Schularten leisten müssen. „Wer den größten Teil schultern muss, braucht auch die meisten Ressourcen! Der größte Teil der zusätzlichen Stellen muss an die Berufsschulen fließen.“ Wunderlich fasste zusammen, was für eine adäquate Beschulung der Flüchtlinge unabdingbar ist: Deutschlehrkräfte, möglichst mit DaF/DaZ-Qualifikation; Sozialpädagogen und Schulpsychologen; ausreichend Räumlichkeiten; flexibel und pragmatisch einsetzbare finanzielle Eigenmittel; schließlich ausreichende einschlägige Fortbildungen.

Berufliche Bildung stärkt die Regionen
Anschließend gaben zwei junge Schülerinnen der Europa-Berufsschule Weiden einen Einblick in ihre Ausbildung, stellten einige Projekte vor – so beispielsweise das Projekt der Verpflegung der Veranstaltungsteilnehmer, die sie zusammen mit ihren Lehrkräften organisierten. Unter dem Motto „Der VLB knackt jede Nuss“ wurden während der folgenden Musik passende Geschenke („Nussknacker“) an die anwesenden Gäste verteilt.

Berufliche Weiterbildung ist praktizierte Chancengerechtigkeit
Den Hauptpart übernahm, in Vertretung für den verhinderten Chef der Abteilung im Kultusministerium German Denneborg, dessen Stellvertreter Ltd. Min. Dir. Werner Lucha, der den bayerischen beruflichen Schulen gleich zum Eingang herausragende Leistungen bestätigte: „Die bayerische Berufsbildung ist Spitze!“ Bayern liege nach den Vergleichszahlen des Ministeriums bundesweit an der Spitze, eine Ausbildungsquote von 73,3 % und eine Erfolgsquote von 91,4 % seien deutschlandweit top. Damit sei die berufliche Bildung „praktizierte Chancengerechtigkeit“, insbesondere auch durch die Möglichkeiten, die die weiterführenden beruflichen Schulen böten. Beispielsweise gebe es inzwischen rund 160 Klassen bei den doppelt-qualifizierenden Bildungsgängen, die dem Ministerium „lieb, aber auch teuer“ seien. Ein Anlass zur Sorge sein allerdings die stetig sinkende Anzahl von Auszubildenden im dualen System; prognostiziert waren bis zu 9 % Schülerrückgang, durch die Flüchtlinge ergebe sich momentan jedoch ein Plus von etwa 4 %.

Der Schülerrückgang an den Wirtschaftsschulen bereitet Sorgen
Weiterhin problematisch bleibe die Situation an der Wirtschaftsschule, die als Schulart eine bundesweit einzigartige Besonderheit im bayerischen Schulsystem sei: „Der Schülerrückgang  von über 20 % an den Wirtschaftsschulen bereitet uns Sorgen! Lassen Sie es trotzdem bei 4 Jahrgangsstufen – machen Sie aus der bewährten Wirtschaftsschule keine schlechtere Imitation der Realschule ohne berufliches Profil!“ Ziel müsse vielmehr sein, so Lucha, das beruflich-kaufmännische Profil noch weiter zu stärken.
Massiver Zuwachs sei dagegen bei den Beruflichen Oberschulen zu verzeichnen, insbesondere bei der FOS. Inzwischen kämen 43 % aller bayerischen Hochschulzugangsberechtigten aus dem beruflichen Bereich – Tendenz steigend. Auch die neuen Fachrichtungen Gesundheit und internationale Wirtschaft kämen gut an.

Zusätzliche Flüchtlingsklassen sollten nicht zu Lasten der Regelberufsschüler gehen
Zudem ging Lucha auf die hoch aktuelle Flüchtlingssituation ein: Seit September würden etwa 29.000 berufsschulpflichtige Flüchtlinge und Asylbewerber in rund 440 neuen Klassen beschult – bei noch beständig wachsenden Zahlen. Zu schaffen sei das nicht ohne zusätzliches Personal, wenn man nicht an anderer Stelle Qualitätseinbußen hinnehmen wolle. Der Freistaat stelle im Nachtragshaushalt rund 490 Mio. Euro für diesen Bereich ein, 100 Mio. davon im Etat des Kultusministeriums, um schrittweise bis zu 1200 Klassen einrichten zu können. Problematisch sei natürlich der Mangel an Berufsschullehrkräften.

Danke für die unvorstellbare Leistung bei der Flüchtlingsbeschulung
Die Flüchtlingsqualifikation brauche unbedingt weiterhin ein zweijähriges BIJ-Modell, inzwischen würden die ersten Jugendlichen dieser Maßnahme fertig. „Sie müssen weiter begleitet werden und brauchen noch immer Hilfe, wenn sie die Ausbildung erfolgreich abschließen sollen.“, betonte Lucha. Dazu brauche es auch über das BIJ hinaus besondere Anstrengungen von Schulen, Kammern, Betrieben und der Arbeitsagentur, auch die Kommunen seien gefordert, z. B. bei der Jugendsozialarbeit. Zu überdenken seien auch die bisherigen Strukturen bei den Berufsabschlussprüfungen: „Inhaltlich darf das Anspruchsniveau nicht abgesenkt werden, aber unnötige Sprachbarrieren erschweren oft den Erfolg.“ In den Flüchtlingsklassen seien auch pädagogische Erleichterungen geplant, z. B. eine selektive Aussetzung der Benotung, Lernberichte statt Zeugnisnoten, mehr Feedback und Beratung.
Die enormen Belastungen der Berufsschulen durch die Flüchtlingsklassen seien der Grund, dass im Augenblick die Inklusionsaufgaben als zweite Priorität gesehen werden, um die Lehrkräfte „nicht in den roten Bereich zu fahren“.

Fortsetzung der Q3/Q4-Aufstiegsmaßnahme
Trotz aller aktuellen Belastungen gebe es aber auch viele positive Entwicklungen im Bereich der beruflichen Schulen, etwa was die Stärkung der Eigenverantwortung und erfolgreiche QMBS-Modelle betrifft. Auch die Einstellungssituation sei sehr gut, in vielen Bereichen konnte 100 % der Bewerber ein Übernahmeangebot gemacht werden – teilweise konnte der Bedarf sogar bei weitem nicht gedeckt werden. Die Q3/Q4-Aufstiegmaßnahme würde – ergänzt um ein neues Mentorenmodell – fortgesetzt, denn die „Fachlehrkräfte sind weiterhin von großer Bedeutung“. Außerdem würde eine weitere Sondermaßnahme für die Fächer Metall und Elektro auf den Weg gebracht. Insgesamt zeigte sich Lucha optimistisch: „Zusammen mit dem VLB werden wir viele Probleme in den Griff bekommen.“
Zum Abschluss stellte sich Lucha den Fragen und Problem der Kolleginnen und Kollegen, wobei zahlreiche Themenkomplexe nochmals unter anderen Aspekten aufgegriffen wurden, insbesondere auch die Probleme der Wirtschaftsschule („Die fünfte Klasse könnte die Rettung bringen!“), Bedenken gegen die Beurteilung von Ständigen Stellvertretungen durch Regierungen, Sorgen um den Lehrernachwuchs und grundsätzliche Bedenken gegen die geplanten Sondermaßnahmen.

Schlussakkord
Den Schlussakkord setzte Wolfgang Lambl, der dem Ministerium drei „Ausrufezeichen“ mit auf dem Weg gab:
1.    Der Abbau des Arbeitszeit-Kontos ist versprochen, aber noch lange nicht erreicht.
2.    Durch die Flüchtlingsklassen darf es keine Verschlechterungen für die Regelklassen geben.
3.    Der VLB protestiert mit aller Vehemenz gegen die Überlegungen, den Zugang zum Referendariat einzuschränken.
Wie bestellt schob sich in diesem Augenblick eine dunkle Wolke vor die Sonne. Kompliment an die Oberpfälzer, die neben allem anderen auch das Wetter voll im Griff hatten.

Besinnung: Unser Verband L(i)ebt Bildung

Geschrieben von Dr. Michael Persie

Verehrte Mitglieder, unser Verband versteht sich als kritisch im kulturellen Wandel (1), nachhaltig und inklusiv in der Bildung (2) , ist erfahren und aufrecht (3) in seiner Arbeit.

1. Kritisch im kulturellen Wandel
Zur Eröffnung der Frankfurter Buchmesse beschrieb der Vorsteher des Börsenvereins unsere Gegenwart im Herbst 2015: „Die Welt ist in Aufruhr. Der Kampf zwischen den Religionen und das Ungleichgewicht zwischen arm und reich, verfolgt und geborgen, gefangen und frei, hungrig und satt findet derzeit in Europa seinen Ausdruck in Hunderttausenden von Flüchtlingen“. Wir leben mit und in Krisen: die Banken- und Finanzkrise, Euro- und Klimakrise, Krim und Ukraine, Griechenland, die durch den Dschihadismus ausgelöste globale Krise von Afrika bis in den Mittleren und Fernen Osten. Die Jerusalem-Krise ist neu entfacht.
Krisen rufen Entscheidungssituationen hervor (griech. Krinein = entscheiden). Unsere Kultur ist im Wandel. Am nachhaltigsten ändert der technische Fortschritt mit seiner extremen Mobilität, Flexibilität und Produktivität unsere Arbeits- und Freizeitkultur bis hinein in das Familienleben.
Das Individuum bestimmt jedoch weiterhin, was es denken, fühlen, tun will, was ihm wichtig ist oder unwichtig wird, was es betet oder bloß „nachbetet“. All das spiegelt sich in der Kunst der Erziehung (vgl. P. Freire. Der Lehrer ist Politiker und Künstler). Die Erziehung des Menschengeschlechts wie des Einzelmenschen spielt auch in Zukunft die bedeutendste Rolle, nicht zuletzt die Erziehung in der Religion und zur Religion (vgl. Immanuel Kant). Ob ein Mensch glaubt oder nicht, was er glaubt, ob er seinen Glauben weiterentwickelt oder ablegt – es gibt keine religionsfreie Zone. Wo Religion verschwindet, tritt sofort ein anderes Glauben, eine andere geistige Anschauung in den Leerraum ein. Selbst das rasante Verdunsten des Christseins hinterlässt kein Vakuum. Es wird gefüllt.
Die gesteigerte Zuwanderung verwandelt unsere Kultur. Es handelt sich um eine Islamisierung – was denn sonst? Entsprechend verändert sich längst die Schulkultur, von Außenstehenden oft unbemerkt oder geleugnet. Naiv ist es, vor dieser Situation die Augen zu verschließen oder mit fremdenfeindlichen Appellen eine einst christlich begründete Kultur konservieren zu wollen, die längst verabschiedet ist. Kulturen konstituieren sich durch die Normativität des Faktischen, nicht aufgrund von Wünschen, Forderungen, Warnungen. Wir Menschen machen Kultur – einzig durch unsere Lebensart. Es ist der Nachwuchs, national und international, der gemäß seiner Erziehung und Herkunft die künftige Kultur der künftigen Gesellschaft kreiert. Das ist die nüchterne Wahrheit.

2. Nachhaltig und inklusiv in der Bildung
Die UN-Vollversammlung hat zu ihrem 70. Geburtstag (gegr. am 26. Juni 1945, gefeiert am jeweiligen 24. Oktober) zwei Hauptanliegen vor wenigen Wochen in ihren 17 Zielen und 169 Unterzielen aufgestellt: Nachhaltigkeit und Inklusion. „Niemanden zurücklassen“, betonte Ban Ki Moon, der Generalsekretär. „Integration geschieht durch Sprache“, betont in diesem Sinne der Sprachwissenschaftler und ehemalige Präsident der Uni Würzburg. Schweinfurts Dekan Oliver Bruckmann gibt zu bedenken: „Wir retten unsere Welt nur gemeinsam oder wir gehen gemeinsam unter“. Vielleicht können wir nicht alle aufnehmen, „aber Menschen irgendwo liegen und umkommen lassen, das können wir ganz gewiss nicht“.
Und was ist in diesem Zusammenhang Bildung?
Bildung ist wie Sprache keine Einbahnstraße, sondern braucht Beziehung im Sinne von Wechselseitigkeit. Die tiefgreifendsten und schönsten Bildungsprozesse wachsen in respektvollen und gesunden zwischenmenschlichen Beziehungen.
Bildung braucht Zeit, unglaublich viel Zeit. Daher soll das „Jeder“ im Bildungsideal wirklich jeden meinen, nicht nur die Jungen. Auch für die Älteren soll Bildung ein Recht sein und nicht nur die Pflicht zur Weiterbildung.
Bildung ist vor allem Privatsache in dem Sinn, dass wir nur das wirklich lernen, was wir uns im vollsten Sinne zu eigen machen. Was wir alle tun können (z. B. als Verband, Schulleiter und verantwortliche Politiker), ist, Umgebungen so zu gestalten, dass Persönlichkeitsentwicklung wahrscheinlicher wird. Persönlichkeiten entwickeln sich dort, wo sie im richtigen Maße herausgefordert werden und über diese Herausforderungen reflektieren dürfen (vgl. John Hattie). In diesem Sinne kann mich niemand bilden, aber ich kann in Umgebungen leben, in denen es mir leichter oder schwerer fällt, mich zu bilden. Wenn meine Bildung ideal verläuft, bediene ich mich meines Rechts, meine Umgebung so zu gestalten, dass ich meine Fähigkeiten, mein Wissen und meine Persönlichkeit nach meinen Zielen entwickle. Ich bewege mich in einer Umgebung, in der ich mich respektiert und geschätzt fühle, und in meinem Tempo Herausforderungen begegnen kann, ohne Angst vor dem Scheitern zu haben (vgl. didacta-magazin 3/2015, 31).

3. (Leid-)Erfahren und aufrecht /aufrichtig
Um mein Verhalten zu korrigieren, bedarf es einer demütigen Haltung. Keiner ist perfekt. Nicht wenige Menschen koppeln ihr bisschen Selbstwertgefühl an Erfolge und Leistung, an Perfektionismus. Wenn dann etwas schief läuft, sind sie frustriert und befürchten einen Kratzer in ihrem Image.
Es ist erlaubt, dass derselbe Mensch heute anders denkt und spricht als gestern, weil er gelernt hat. Nicht jede Meinungsänderung ist Ausdruck von Schwäche; sie kann innere Stärke bedeuten.
Geistige Beweglichkeit und Unabhängigkeit sind wesentliche Merkmale der Weisheit. Wer aus (evtl. schmerzvollen) Erfahrungen lernt, erfährt bescheiden, dass er eigentlich nichts weiß. Mit Sokrates bekennt er demütig: scio nescio, oida ouk oida = ich weiß, dass ich nichts weiß. Ermutigungen für neue Herausforderungen, ein zweites Probieren und mehr versprechende Ziele verdienen alle Sitzenbleiber, Studienabbrecher, Geschiedene, Gekündigte, Pleitiers und alle anderen, die einmal gescheitert sind. Wer mit Hinfallen und wieder Aufrecht-Stehen umgehen kann, der steigert seine Resilienz, die Fähigkeit, künftige Krisen unbeschadet zu überstehen oder gar gestärkt aus ihnen hervorzugehen.
Wer dann weise geworden ist, muss nicht schlohweiße Haare tragen. Wenn manches Leben sich bereits in jungen Jahren als vollendet herausstellt, gewinnt es früh an Nähe zur Weisheit aus der Erkenntnis, dass das Leben kostbar, aber auch endlich (!) ist. Schauen Sie auf die (leidvolle) Erfahrung der jungen Flüchtlinge!
Weil menschliche Weisheit meist genauso lange zur Reifung braucht wie ein Baum zum Wachsen, dauert die Vollendung beider eben ihre Zeit. Wie ein junger Baum tief in der Erde gründet, um eine formvollendete Krone zu bilden (!), tut der Mensch gut daran, in einer geistigen Heimat verwurzelt zu sein. In unseren Breiten ist (noch, s.o.) das Christentum der Urgrund dessen, woraus wir Sinn, Kraft und Hoffnung schöpfen. Dieser Urgrund verändert sich jedoch rapide.
Die Feste Allerheiligen und Allerseelen erinnern uns an unser Leben vor(!) dem Tod. Jeder Mensch hat seine Seele, sein ihm geschenktes Selbst. Er ist immanent und transzendent. Er lebt in Freiheit und darf auf seine Vollendung im „Himmel“ hoffen. Dies geschieht nicht auf der Überholspur durch Selbstmord-Attentate und rücksichtslose Gewalt. Der Gott der Liebe ruft und meine Seele darf hören und antworten. So erfahre ich ein glückliches Leben in mir und außer mir (Blaise Pascal). Glück heißt, die Wahrheit zu erkennen und sie in Liebe zu tun. Die Wahrheit wird uns frei machen. Ewigkeit im Himmel bedeutet, dass meine Bedürftigkeit immer gestillt wird. Es ist wie der ewige Genuss des ersten Schlucks. Das irdische Leben verläuft unersättlich, unbefriedigend, hektisch, unbarmherzig. Im Himmel dürfen wir ewig Fülle, Liebe und Leben erwarten. Wer spricht hier von Lange-weile?! Zeit und Raum verschwinden.
Im Leben vor dem Tod erleiden wir Schmerzen. Beim Sterben müssen wir uns von unserer Umgebung, von unseren Mitmenschen und von unserem Leib trennen. Als Bürger zweier Welten (Immanuel Kant) dürfen wir jedoch hoffen. Wir bleiben aufrecht und aufrichtig und erlauben uns zu sagen: „Die Hoffnung stirbt nie!“
Liebe Mitglieder, im betrachteten Dreischritt: - kritisch im Wandel, nachhaltig und inklusiv, erfahren und aufrecht – mögen wir uns gemeinsam im VLB verstehen, dann können wir die drei Buchstaben zu unseren Initialen machen: Unser Verband l(i)ebt Bildung.


Zum Abschluss darf ich Sie bitten, sich aufzurichten und selbst – bewusst aufzustehen, um folgende Gedanken von Pierre Stutz zu verinnerlichen.


Langsam erkennen, was meine Lebendigkeit behindert
mich unterbrechen lassen im gewohnten Alltagstrott
Mich nicht leben lassen durch blockierende Ansprüche
das Leben in Fülle wählen, das in meinem Innersten auf mich wartet.
Langsam erahnen, was meine Lebensqualität fördert
mich aufhalten lassen zum Aufstand für die Liebe.
Mich aufrichten lassen durch jene befreienden Lebensworte
die zutiefst berühren: Steh auf und lebe. Talitha kumi!

Bildung lässt sich auch südafrikanisch im Gebet ausdrücken:

Lass mich langsamer gehen, Herr.
Entlaste das eilige Schlagen meines
Herzens
durch das Stillehalten meiner Seele.
Lass meine hastigen Schritte stetiger werden
mit dem Blick auf die Ewigkeit.
Lass mich langsamer gehen, um die
Blume zu sehen,
ein paar Worte mit einem Freund zu wechseln,
ein paar Zeilen aus einem Buch zu
lesen.
Lass mich langsamer gehen, Herr,
und gib mir den Wunsch, meine
Wurzeln tief in den ewigen Grund zu senken,
damit ich emporwachse zu meiner wahren Bestimmung.

Das digitale Klassenbuch: Element einer modernen IT-Infrastruktur an Schulen

Geschrieben von Super User

Im schulischen Umfeld nimmt das Thema Digitalisierung und Modernisierung der Prozesse und Tagesabläufe einen immer stärkeren Stellenwert ein. So stellen sich viele Schulen häufig die Frage nach der Einführung eines digitalen, webbasierten Klassenbuchs.
Im Gespräch mit fünf beruflichen Schulen, die diesen Weg bereits gegangen sind und das digitale Klassenbuch auf Basis der Informations- und Kommunikationsplattform „WebUntis“ eingeführt haben, wollten wir wissen, welche Herausforderungen im Schulalltag für den Einsatz des digitalen Klassenbuchs gesprochen haben, welche Strategien gewählt wurden um WebUntis erfolgreich im Kollegium zu implementieren und welche Mehrwerte dadurch heute für alle Anwendergruppen resultieren.
Die wichtigsten Erkenntnisse aus diesen Gesprächen haben wir für Sie zusammengefasst.

Herausforderungen im Schulalltag, die für WebUntis sprechen
Mobiler Abruf aktueller Vertretungspläne
Gerade an großen Schulzentren, denen ein sehr weitläufiger Schulsprengel zugeordnet ist, steigt die Nachfrage nach mobilen Zugriffsmöglichkeiten auf die Stunden- und Vertretungspläne. Treiber hierbei sind oftmals zunächst die Schüler berichtet uns Christian Friedrich, Stellvertretender Schulleiter am BSZ Waldkirchen. Mit dem mobilen Abruf der aktuellen Vertretungen über eine entsprechende App werden alle Betroffenen frühzeitig über Abweichungen im Stundenplan informiert.

Verfügbarkeit und Pflege des Klassenbuchs
Die hohe Relevanz mobiler Zugriffsmöglichkeiten spiegelt sich auch in den Gründen wider, die für den Einsatz des digitalen Klassentagebuchs sprechen. So berichtet uns Klaus Mittermeier, BS I Mühldorf, von seinen Erfahrungen aus der Zeit vor der Einführung des digitalen Klassenbuchs: „Meist arbeitete man mit diversen Listen und Erinnerungszetteln – die Übertragung in das eigentliche Klassenbuch brachte damit regelmäßig zeitaufwendige Nacharbeiten mit sich.“ Durch die ort- und zeitunabhängige Verfügbarkeit des WebUntis-Klassenbuchs wird heute die Pflege des Klassenbuchs ohne zeitraubende Nacharbeiten ermöglicht.

Trend unserer Zeit
„Die Schule soll sich entwickeln, wobei größere Flexibilität und höhere Effizienz helfen, die wachsenden Herausforderungen zu beherrschen“, zitiert Ferdinand Eckert die Aufforderung im QmbS, die er bei seiner Tätigkeit am BSZ Bamberg immer wieder im Hinterkopf behält. Gerade dem unaufhaltsamen Trend der Digitalisierung kann und sollte sich eine Berufsschule seiner Ansicht nach nicht verschließen. Damit spricht Eckert eine weitere, wichtige Herausforderung der Schulen in diesem Zusammenhang an: Aufgabe der Schulen ist es, junge Menschen angemessen auf die (digitale) Zukunft vorzubereiten.

Absenzenerfassung und -auswertung
Die wohl größte Herausforderung im Schulalltag, die für den Einsatz des digitalen Klassenbuchs spricht, stellt das Thema Absenzenverwaltung dar. So ist die präzise Auswertung und Weitergabe der Fehlzeiten eines Schülers an den ausbildenden Betrieb „ein Service, den die Berufsschule den Ausbildungsbetrieben einfach schuldig ist, denn Schulzeit ist gleichzeitig auch Arbeitszeit“, stellt Christian Friedrich vom BSZ Waldkirchen klar. Zwar bietet das klassische Papiertagebuch durchaus Raum zur Erfassung der Schülerabsenzen – doch bereits an dieser Stelle endet die Funktionalität des Papiertagebuchs dann auch schon. Und so gilt es zur Auswertung der Absenzen das gesamt Klassenbuch für jeden einzelnen Schüler durchzuzählen. Durch die Absenzenverwaltung im WebUntis-Klassenbuch hingegen können diese Zählungen mit wenigen Klicks automatisch erfolgen.

Alternativen und Auswahlkriterien
Neben WebUntis bietet der Markt aktuell zahlreiche Alternativen für die digitale Klassenbuchführung. Für Schulen die bereits Untis zur Stunden- und Vertretungsplanung einsetzen, ist die Wahl zu Gunsten von WebUntis naheliegend und empfehlenswert. Ein wichtiges Kriterium ist dabei die direkte Schnittstelle zu der aktuellen Vertretungsplanung.
Ein weiteres Kriterium, das von allen unseren Gesprächspartnern mehrfach betont wurde, ist der sehr gute Support durch die Firma Gruber & Petters. Bereits seit vielen Jahren besticht das Team der österreichischen Firma durch eine sehr verlässliche und über viele Jahrzehnte hinweg gewachsene Supportkompetenz.

Tipps für die erfolgreiche Einführung von WebUntis
Probebetrieb in einem begrenzten Anwenderkreis
Vor der schulweiten Implementierung empfiehlt es sich, WebUntis zunächst im Rahmen eines „Schulprojektes“ in einem kleineren Anwenderkreis probeweise einzuführen. Gruber & Petters bietet hierzu die Möglichkeit einer unverbindlichen Testphase über wahlweise 3 oder 12 Monate hinweg. Für dieses Projekt bietet es sich an, eine Abteilung oder einen Schulbereich zu wählen, in dem nach Möglichkeit verhältnismäßig IT-affine Kolleginnen und Kollegen beschäftigt sind, die sich dem „WebUntis-Projekt“ gegenüber aufgeschlossen zeigen und bereit sind, sich intensiv mit dem Test des digitalen Klassenbuchs zu beschäftigen. Um diese Entwicklung zu unterstützen, empfiehlt Ulrich Fischer, Ständiger Vertreter des Schulleiters der Werner-von-Siemens-Schule Cham, innerhalb des Probebetriebes Infoveranstaltungen für das Gesamtkollegium zu initiieren.
Hardwareausstattung und Vernetzung der Schule
Erst wenn die Rahmenbedingungen geschaffen sind, kann auch das volle Potential von WebUntis so genutzt werden, dass für die einzelne Lehrkraft tatsächlich ein entsprechend überzeugender Mehrwert entsteht. Die flächendeckende Ausstattung der Schule mit Rechnern die über eine Netzanbindung verfügen, stellt damit nicht nur eine rein technische Voraussetzung dar, sondern spielt auch hinsichtlich der Akzeptanz des neuen Systems innerhalb des Kollegiums eine entscheidende Rolle.

Personalratszustimmung
Die Einführung eines neuen Systems wie WebUntis sollte auf alle Fälle unter Einbindung des Personalrats an der Schule erfolgen. Wichtig ist, dass eventuell vorherrschende Zweifel und Ängste offen angesprochen und bei Bedarf entsprechende Vereinbarungen hinsichtlich des Einsatzzweckes von WebUntis getroffen werden.

Datenschutzvereinbarung
Das Hosting von WebUntis wird Ihnen von der Firma Gruber & Petters abgenommen. Gruber & Petters hostet Ihre Daten in einem österreichischen Hochsicherheitsrechenzentrum – und damit innerhalb der Grenzen der EU. Aufgrund der Tatsache, dass es sich bei dem Hosting von WebUntis um die Verarbeitung personenbezogener Daten durch einen Dienstleister handelt, muss eine Vereinbarung über die Auftragsdatenverarbeitung zwischen der Schule und der Firma Gruber & Petters geschlossen werden.
Da es in der Verordnung zur Durchführung des Art. 28 Abs. 2 des Bayerischen Datenschutzgesetzes bisher noch keine Anlage für ein digitales Klassentagebuch gibt, muss streng genommen jede Schule das Zulassungsverfahren gemäß dem Datenschutzgesetz durchführen. Für die Schule bedeutet das, dass zunächst eine Verfahrensbeschreibung erstellt werden muss, die anschließend dem örtlichen Datenschutzbeauftragten zur Prüfung und Freigabe vorgelegt wird. Für einzelne bayerische Städte liegt bereits eine geprüfte und freigegebene Verfahrensbeschreibung vor.
Zustimmung des Kollegiums
Um sicherzugehen, dass das Kollegium hinreichend abgeholt wurde und sich nicht gegen die Einführung des digitalen Klassenbuchs stellen wird, ist eine Gesamtabstimmung im Kollegium empfehlenswert. Wichtig ist, dass bis zu diesem Punkt alle Rahmenbedingungen geklärt sind und auf eventuell vorherrschende Zweifel und Ängste der Kollegen adäquate Antworten gegeben werden können.

Schulung des Kollegiums
Um dem Kollegium den Einstieg in die Arbeit mit WebUntis zu erleichtern ist der Aufbau eines internen Schulungsprogrammes eine hilfreiche Lösung. Auf diese Weise kann zum einen sichergestellt werden, dass die Pflege des digitalen Klassenbuchs über alle Schulbereiche hinweg einheitlich erfolgt und etwaige Zuständigkeiten von Beginn an klar sind.

WebUntis-Mentoren
Da wichtige Detailfragen häufig erst während der täglichen Arbeit aufkommen, ist es empfehlenswert innerhalb der Schule eine „WebUntis-Experten-Gruppe“ aufzubauen und regelmäßige „Web-Untis-Sprechstunden“ einzurichten.

Nutzen und Mehrwerte von WebUntis
Für Schüler und Eltern
Durch den Einsatz von WebUntis ergeben sich mobile Zugriffsmöglichkeiten auf den tagesaktuellen Stundenplan und die anstehenden Klausurtermine. Dank der Kommunikationsmöglichkeiten in WebUntis kann zudem rechtzeitig darüber informiert werden, wenn in bestimmten Fällen besondere Unterrichtsmaterialien benötigt werden: So kann beispielsweise der Sportlehrer seine Schülergruppe über eine Kurzmeldung direkt im Stundenplan daran erinnern, zu der entsprechenden Stunde anstelle der Sportbekleidung die Schwimmsachen mitzubringen. Sofern sich die Schule dazu entschließt, jedem Schüler bzw. Elternteil einen eigenen Account zur Verfügung zu stellen, können darüber hinaus noch weitere Funktionen genutzt werden - beispielsweise die eigenständige Erfassung der Fehlzeiten durch den Berufsschüler selbst oder der online-Abruf der Hausaufgaben.

Verwaltung
Das klassische Einsatzszenario von WebUntis für die Verwaltungskräfte der Schule besteht in der Erfassung der am Morgen im Sekretariat eingehenden Absenzen der Schüler unmittelbar im digitalen Klassenbuch. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass der Eingang der Absenzmeldung und die entsprechende Entschuldigung nachweislich dokumentiert wurden.

Lehrkräfte
Der zweifellos größte Vorteil für die Lehrkräfte ergibt sich durch die komfortable Absenzenerfassung und deren Auswertungsmöglichkeiten. Ist eine Krankmeldung bereits im Sekretariat eingegangen und durch die Verwaltungskräfte in WebUntis erfasst worden, so ist diese Information für die unterrichtende Lehrkraft direkt im digitalen Klassenbuch sichtbar. Ist noch keine Krankmeldung des fehlenden Schülers eingegangen, so wird die noch unentschuldigte Absenz durch die unterrichtende Lehrkraft mit wenigen Klicks erfasst und damit nachweislich dokumentiert. Während die Auswertung aller Absenzen eines Schülers in der Vergangenheit häufig ein sehr aufwendiger Prozess war, kann durch den Einsatz des digitalen Klassenbuchs und die darin verfügbaren Auswertungsfunktionen nun jederzeit ein Bericht erstellt werden, der beispielsweise die exakte, aktuelle Anzahl der unentschuldigter Fehlzeiten eines Schülers enthält.
Darüber hinaus bietet WebUntis für die Lehrkräfte auch Vorteile in der Hausaufgabenverwaltung sowie der Planung von Schul- und Stegreifaufgaben, wie uns Hubert Ramesberger, BSZ Kelheim, berichtet:
„In der Vergangenheit kam es häufig vor, dass man viel Aufwand darin investiert hat, für den nächsten Tag eine Stegreifaufgabe vorzubereiten. Am nächsten Tag aber konnte man die Stegreifaufgabe nicht schreiben, weil bereits eine Schulaufgabe in der Klasse geplant war. Heute genieße ich den Vorteil, die gesamte Schulaufgabenplanung einer Klasse jederzeit von Zuhause aus in WebUntis einsehen und den eigenen Unterricht entsprechend daran orientieren zu können.“
Nicht zu vernachlässigen sind zudem die Möglichkeiten, die WebUntis im Sinne eines internen Kommunikations- und Nachrichtensystems bietet. An der Werner-von-Siemens-Schule in Cham hat sich WebUntis bereits als bevorzugte Lösungsmöglichkeit zur schnellen Kommunikation innerhalb des Schulkollegiums etabliert. Wichtige Informationen zu Klassenausflügen, Konferenzen und Ähnliches lassen sich über entsprechende Verteilerlisten auf einfache Weise an alle relevanten Personen bzw. Personengruppen kommunizieren. Durch die in der Regel tägliche Arbeit mit dem digitalen Klassenbuch ist sichergestellt, dass die Kurznachricht in WebUntis zeitnah gelesen und auch tatsächlich wahrgenommen wird.

Hausmeister und Kiosk
Auch für den Hausmeister und den Schulkiosk stellt WebUntis eine wertvolle Informationsquelle dar. Während der Hausmeister von der Möglichkeit profitiert, anhand der Raumbelegungspläne in WebUntis, Reparaturen in den Klassenzimmern besser zu koordinieren, ergibt sich für den Schulkiosk der Vorteil, die Pausenverpflegung entsprechend der aktuellen Anzahl anwesender Klassen herrichten zu können.

Schulträger
Dem Schulträger, der in der Regel das Schulgebäude stellt und darüber hinaus auch für die Einrichtung, Wartung und Pflege der IT-Ausstattung der Schule zuständig ist, kann ein eigener WebUntis-Account generiert werden - so auch an der Werner-von-Siemens-Schule Cham. Über einen Schulträger-Account kann beispielsweise die Raumauslastung an der Schule im Blick behalten werden.
Für weitere Informationen über WebUntis und das digitale Klassentagebuch empfehlen wir Ihnen den Besuch einer WebUntis Infoveranstaltung in Ihrer Region. Alle aktuellen Veranstaltungstermine finden Sie im UNTIS-Veranstaltungskalender unter: www.grupet.at

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