Vorklassen an staatlichen Fachoberschulen nun in ganz Bayern

Geschrieben von PM KM Dr. Ludwig Unger, Tel. 089-21862105

Bayerns Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle hat nun die Einrichtung von Vorklassen an allen staatlichen Fachoberschulen in Bayern genehmigt und die entsprechenden Lehrerstellen bereitgestellt. Bisher gab es an 52 staatlichen Schulen diese Brückenangebote für junge Menschen mit mittlerem Bildungsabschluss. Ab dem kommenden Schuljahr können alle 65 staatlichen Fachoberschulen die Vorklasse einführen. Nutznießer der Ausweitung des Angebots sind vor allem Schülerinnen und Schüler an kleineren Fachoberschulen im ländlichen Raum. Die Schülerinnen und Schüler bereiten sich in der Vorklasse in einem einjährigen Vollzeitunterricht auf den Besuch der Fachoberschulen vor.

"Die Vorklassen sind ein wichtiges Brückenangebot für Schülerinnen und Schüler mit mittlerem Bildungsabschluss, die eine Hochschulreife an der Fachoberschule anstreben. Mit den Vorklassen stärken wir die Durchlässigkeit des bayerischen Bildungssystems und bieten den jungen Menschen eine zusätzliche Möglichkeit, sich entsprechend ihrer Interessen und Fähigkeiten weiterzuentwickeln. Deshalb ist es mir besonders wichtig, Vorklassen flächendeckend in Bayern anzubieten", so Minister Spaenle.

Wer die Vorklasse der Fachoberschule besuchen will, müsse einen mittleren Schulabschluss mit einem Notendurchschnitt von mindestens 3,5 in den Fächern, Deutsch, Englisch und Mathematik nachweisen. Wurde der erforderliche Notendurchschnitt nicht erreicht, ist eine Aufnahme in die Vorklasse nur bei Vorlage eines pädagogischen Gutachtens der Schule möglich, die die Schüler in der Jahrgangsstufe 10 besucht hatten. In diesem muss die grundsätzliche Eignung für den Bildungsweg an der FOS bestätigt werden. Der Aufnahme in die Vorklasse geht ein intensives pädagogisches Beratungsgespräch voraus.

FOS-LEV-Delegiertenversammlung 2015: Eltern und Schulleiter arbeiten Hand in Hand

Geschrieben von Hans Dietrich/Hans Schweiger

Der Einfluss der Eltern ist an den beruflichen Schulen nicht mehr so groß, weil die Schüler volljährig sind, am Ausbildungsplatz ihren Mann/ihre Frau alleine stehen müssen – das meint man landläufig. Nicht so an den Fachoberschulen. Dort sind die Eltern fest verankert in der Schulfamilie und sie haben in der Landeselternvereinigung der Fachoberschulen Bayerns (LEV-FOS) eine überaus aktive (und einflussreiche!) Vertretung. Mitte April fand die 45. Delegiertenversammlung der LEV-FOS an der Franz-Oberthür-Schule in Würzburg statt.
Es ist gute Übung der Elternvertreter, zu ihrer Jahrestagung die Schulleiter der Fachoberschulen einzuladen. Diese leisten regelmäßig in großer Zahl der Einladung Folge, denn die Zusammenarbeit der Eltern mit den Schulen und auch dem VLB ist sehr konstruktiv. Nicht selten treten VLB und LEV-FOS gemeinsam im Kultusministerium auf, um bessere Bedingungen für die Schüler zu erwirken. So verwunderte es nicht, dass bei der Delegiertenversammlung der LEV-FOS in Würzburg der VLB mit seinen Spitzenvertretern anwesend war: Landesvorsitzender Jürgen Wunderlich sowie die GV-Mitglieder Wolfgang Lambl und Klaus Vietze, der Referent und Fachgruppenleiter für die Berufliche Oberschule Hans Dietrich und weitere Schulleiter aus den Reihen des VLB waren unter den Gästen.

Wertschätzung des Kultusministers
Mit der Übernahme des Festvortrags brachte auch Kultusminister Ludwig Spaenle seine Wertschätzung gegenüber der LEV-FOS zum Ausdruck. Wir konnten aus seinem Mund eine Lobeshymne auf die Berufliche Oberschule hören: Sie sei der Beweis für die Durchlässigkeit des dreigliedrigen Schulsystems und für die Maßgabe „kein Abschluss ohne Anschluss", sie habe ein ausgezeichnet organisiertes Übergangsmanagement von den Zubringerschulen zur Beruflichen Oberschule und vieles mehr. Ja, da konnten wir VLB-Funktionäre viel Richtiges wahrnehmen und fühlten uns durchaus geschmeichelt, denn bei vielen dieser Positiva waren wir zusammen mit der LEV-FOS an der Entstehung mit beteiligt.

Berufliche Oberschulen stellen 43 % der Hochschulzugangsberechtigten
Minister Spaenle wartete auch mit interessanten Fakten auf. So sind 60 % der Studierenden an den Hochschulen für angewandte Wissenschaften die ersten aus ihrer Familie, die ein Hochschulstudium absolvieren. Das ist eine interessante Erscheinung, die den Fachoberschulen (und Berufsoberschulen) eine sehr wichtige gesellschaftliche Funktion zuweist: sie bilden die Brücke zwischen eher bildungsfernen Familien zu einer akademischen Ausbildung.
Gemeinsam erfreut waren alle Anwesenden über die stabile Zahl von rund 43 % der Hochschulzugangsberechtigungen, die im beruflichen Bereich erworben werden. Und dass der Schulversuch mit den neuen Ausbildungsrichtungen Gesundheit und Internationale Wirtschaft ab 2015/16 ausgeweitet wird, wurde schon im Vorfeld der Delegiertenversammlung durchaus dankend zur Kenntnis genommen. Auch die derzeit auf Hochtouren laufende Erarbeitung der neuen kompetenzorientierten Lehrpläne weist den Fachoberschulen und Berufsoberschulen eine wichtige Rolle im bayerischen Schulsystem zu.

Planstellen fehlen
Logische Schlussfolgerung aus den Worten des Ministers ist, dass zur Erfüllung der Aufgaben der Schulen die notwendigen Ressourcen zur Verfügung gestellt werden müssen. Vornehmlich sind hier Lehrkräfte zu nennen. Aber dazu hatte der Minister keine frohe Botschaft verkündet. Zum Zeitpunkt der Ministerrede war die Anzahl der Planstellen für die einzelnen Schularten im Kultusministerium noch nicht festgelegt. Insoweit waren konkrete Zahlen aus dem Mund des Ministers auch nicht zu erwarten. Dennoch verkündete er einige Eckzahlen: 20 Planstellen für die Ausweitung der FOS-Vorklasse auf weitere Standorte (Flächendeckung ist angestrebt) und wahrscheinlich weitere 50 Planstellen zusätzlich soll es für das Schuljahr 2015/16 geben. War es das wirklich? Gegenüber dem vom VLB vorgerechneten Bedarf von etwa 400 Planstellen erscheint die hier angekündigte Planstellenzahl verschwindend gering, ja sie lässt sogar eine Verschlechterung der Unterrichtsversorgung befürchten. Eine geradezu deprimierende Vorstellung. Der VLB wird jedoch nicht nachlassen, diesen Missstand anzuprangern und eine hundertprozentige Abdeckung des Pflichtunterrichts mit zusätzlichem Budget für eine integrierte Lehrerreserve einzufordern.

Podiumsdiskussion Kompetenzorientierung
Die Podiumsdiskussion beschäftigte sich mit dem Thema der Kompetenzorientierung im Unterricht und der Befähigung der Schüler, die erworbenen Kompetenzen im Studium bzw. Beruf umzusetzen. Kompetenz ist dabei die Fähigkeit, mit vorhandenem Wissen und Erfahrungen neue Aufgaben- oder Problemstellungen zu lösen und vor dem Hintergrund von Werten zu reflektieren und verantwortlich einzusetzen. Neben der Fachkompetenz, die bei der Berufstätigkeit im Vordergrund steht, spielen allgemeine Kompetenzen wie z.B. Methodenkompetenz, soziale Kompetenz oder Selbstkompetenz eine große Rolle. Fachkompetenz wird nicht allein durch die Schule festgelegt, sondern unterliegt den Veränderungen der Arbeitswelt. Hierin sahen die Teilnehmer die Gefahr, dass der Begriff Kompetenz funktionalistisch verstanden wird, d. h. das System im Rahmen einer „Outputorientierung“ die erforderlichen Kompetenzen bestimmt. Den Schülern der Beruflichen Oberschule wurde von den Teilnehmern der Podiumsdiskussion gerade bei den „Soft Skills“ eine ausgeprägte Zielstrebigkeit und großes Durchhaltevermögen bescheinigt. In ihrer „aktiven Bildungskarriere“ ist eine Form der Selbstkompetenz, eigene Begabungen und Fähigkeiten zu entfalten und Wertvorstellungen zu entwickeln, deutlich festzustellen.

Lebensnahes Kompetenzprofil
Im zweiten Teil der Diskussion ging es um die Frage, wie Unterricht optimale Voraussetzungen schaffen kann, um personale, soziale, methodische und fachliche Kompetenzen zu einem ganz persönlichen, ganzheitlichen Kompetenzprofil zu entwickeln. Ausgangspunkt war dabei die Aussage, dass Kompetenzen nicht unterrichtet, sondern von den Schülern in einem von Lernsituationen geprägten Unterricht erworben werden. In einem kompetenzorientierten Unterricht haben die Schüler nicht nur eine größere Selbstständigkeit, sondern auch eine höhere Verantwortung für den eigenen Lernerfolg. Realitätsbezogenes Arbeiten bedeutet, dass den Schülern möglichst oft ein Lernanlass gegeben werden sollte, den sie als wichtig für ihr Leben einstufen können. In diesem Zusammenhang sollen sie zunehmend lernen, selbstreflektiert ihre Fähigkeiten und Bedürfnisse einschätzen zu können, um schließlich Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zu gewinnen.

Behandlung von Anträgen
Die Anträge, die den Delegierten zur Abstimmung vorlagen, waren in vier Themenkreise eingeteilt. In die Diskussion brachten sich in erster Linie die Elternvertreter ein. MR Liebl gab mit großem Engagement das erforderliche Hintergrundwissen sowie den jeweils aktuellen Sachstand weiter.

Themenkreis Ressourcen
Der Wunsch nach besserer Personalausstattung, die der am Gymnasium deutlich hinterherhinkt, ein verstärktes Bemühen, Lehrkräfte für MINT-Fächer zu gewinnen, die Fortentwicklung einer faktisch nicht vorhandenen mobilen Reserve zu einer integrierten Reserve, der Ausbau der FOS-Vorklassen und des Förderunterrichts stellten Kernforderungen in den mit jeweils großer Mehrheit angenommenen Anträgen dar.

Themenkreis Probezeit, Zulassung
Ebenso positiv aufgenommen wurde die Forderung, die Notenhürde zur Aufnahme in die Jahrgangsstufe 13 der FOS von 2,8 auf 3,0 abzusenken und die Probezeit in der FOS-Vorklasse zumindest bis zum Halbjahr zu verlängern.

Themenkreis Unterrichtsentwicklung, Lehrplan
Bereits jetzt fordern Elternbeiräte kleinerer FOS-Standorte, mit den neuen Ausbildungsrichtungen "Internationale Wirtschaft" und "Gesundheit" ausgestattet zu werden.

Themenkreis Schulbetrieb
Die Kernforderung des VLB, nicht nur zusätzliche Mittel bereitzustellen, sondern mehr Planstellen auszuweisen, wird von der LEV geteilt. Weitere Anträge bezogen sich u. a. auf Maßnahmen zur Integration Jugendlicher aus Krisengebieten sowie die Einstellung von Schul-Sozialarbeitern.

Landeselternvereinigung FOS ist verlässlicher Partner
Die Delegierten nehmen lebhaft Anteil an den Sorgen, die auch die Lehrkräfte im Schulalltag bedrücken. Das Engagement der Eltern und des gesamten Landesvorstands während der Delegiertenversammlung lässt darauf schließen, dass die Landeselternvereinigung FOS ein starker und verlässlicher Partner ist, wenn es darum geht, im politischen Raum auf die Beseitigung von Zuständen hinzuwirken, die uns die Arbeit erschweren. Der Beitrag zur Chancengleichheit, für die von Seiten der Politik immer wieder Lobgesänge an die FOS und BOS erklingen, kann nur dann wirklich gelingen, wenn Chancengleichheit auch bei den Personal- und Unterrichtsbedingungen in die Praxis umgesetzt wird. Ein besonderer Dank geht an den scheidenden Landesvorsitzenden, Dr. Bernd Eckhardt, der sich mit ganzer Kraft und Hand in Hand mit dem VLB für die Belange der Fachoberschule eingesetzt hat. Seiner Nachfolgerin, Angelika Himmelstoß, gilt unser herzlicher Glückwunsch zur Wahl. Der Verband freut sich auf eine weiterhin konstruktive Zusammenarbeit.

Fachgruppe Berufliche Oberschule (FOS/BOS) im VLB

Geschrieben von GH

Zusammensetzung und Aufgabenzuordnung

  • Albrecht, Karl M-En Memmingen, Lehrerbildung
  • Domeier, Markus, Kehlheim, M-Ph, Elektrotechnik
  • Dietrich, Hans Wi-En Hof Seminarfach, Hochschulen (Vorsitzender)
  • Grimm, Marianne De-Sk Bad Tölz, Sozialwesen
  • Huber, Gerald S-En Neusäß, Elektronische Medien
  • Puryear, Rudolf Wi-En Landshut, Fremdsprachen
  • Schweiger, Johann Ma-Ph Würzburg, Qualitätsmanagement
  • Straßer, Helmut M-Ma, Te Donauwörth, Technik, Naturwissensch.
  • Vietze, Klaus Wi-Sk Bayreuth, Zubringerschulen

Bei der Zusammensetzung  wird insofern auf regionale Ausgewogenheit geachtet, als neben dem Fachgruppenvorsitzenden pro MB-Bezirk drei Mitglieder vertreten sind.

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