Presse

Pressemitteilung DL „Improvisieren ja, Niveauabsenkung nein!“ - Lehrerverband kritisiert Bundesinnenminister de Maizière

  • „Was de Maizière vorschlägt, ist ein Bärendienst an Schülerschaft und Wirtschaft.“
  • „Ohne erweiterte Strukturen und ohne zusätzliche Ressourcen geht es nicht!“

Mit Verwunderung hat der Deutsche Lehrerverband (DL) die jüngsten Äußerungen des Bundes­innenministers Thomas de Maizière aufgenommen, die er im Zusammenhang mit der Inte­gration von Flüchtlingen ins Bildungswesen am Donnerstag äußerte.

DL-Präsident Josef Kraus sagte dazu in einer ersten Stellungnahme:
„Mit dem Vorschlag einer vorübergehenden Absenkung des Bildungsniveaus zur rascheren In­tegration von Flüchtlingen erweist de Maizière den Stammschülern, den Zuwanderern und dem Arbeitsmarkt einen Bärendienst. Bildung in Deutschland ist in manchen Bereichen ohnehin nicht optimal aufgestellt. Eine als vorübergehend gedachte Absenkung des Bildungsniveaus kann gar nicht funktionieren, weil sich eine solche Absenkung erfahrungsgemäß perpetuiert.“
Wörtlich ergänzte Kraus: „Natürlich müssen unsere Bildungseinrichtungen angesichts der aktu­ellen Lage improvisieren. Das tun sie auch in hohem Maße und mit vorbildlichem Engagement. Eine volle Integration von Flüchtlingskindern in Regelklassen setzt aber erweiterte Strukturen und zusätzliche Ressourcen voraus. Vor allem müssen dringend für mindestens ein Schuljahr zusätzliche Sprachlernklassen eingerichtet werden. Für die geschätzt 300.000 schulpflichtigen Flüchtlinge werden etwa 20.000 Lehrkräfte für Deutsch als Zweitsprache (DaZ) benötigt, sie könnten nach einer kurzen Phase der Weiterbildung über die zahlreichen arbeitslosen Deutsch­lehrer gewonnen werden. Vorbild könnten bei hinreichender Personalausstattung die 500 an bayerischen Berufsschulen eingerichteten Vorbereitungsklassen sein, die dann auch in ein Berufsvorbereitungsjahr einmünden.“
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Für den Inhalt verantwortlich: Geschäftsstelle DL – Anne Schirrmacher
Für Stellungnahmen erreichen Sie DL-Präsident Josef Kraus unter 0171 52 45 945.

Pressemitteilung BLBS: BLBS stellt fest: Volle Hörsäle – leere Werkbänke!

Auf der einen Seite müssen Universitäten mit einem eklatanten Platzmangel kämpfen und wie es die Technische Universität München z. B. tut, zu einer „restriktiven Zulassungspolitik“ übergehen. Auf der anderen Seite haben Handwerks- und Industriebetriebe kaum noch Chancen, ihre offenen Lehrstellen zu besetzen. „Darauf hat der BLBS schon seit langem in vielen Veröffentlichungen hingewiesen und ein Umsteuern in der Bildungspolitik gefordert“, so Eugen Straubinger, Bundesvorsitzender des Bundesverbandes der Lehrerinnen und Lehrer an beruflichen Schulen (BLBS).

Die Entwicklung weg von der betrieblichen Ausbildung hin zum Hochschulstudium ist im Augenblick kaum zu bremsen und wird sich in Zukunft auch fortsetzen. Das belegt auch eine Studie der Bertelsmann-Stiftung, die besagt, dass die Unternehmen in 15 Jahren mit 80.000 Lehrlingen weniger auskommen müssen. Dabei lässt die demografische Entwicklung schon jetzt erahnen, dass die Anzahl der Schulabgänger gewaltig sinken wird. Für die Betriebe wird es dann noch eklatanter, Lehrlinge zu finden, wenn das Studium der Ausbildung noch weiter den Rang abläuft.

Der BLBS fordert daher:
•    Die Berufsorientierung muss in allen allgemeinbildenden Schulen erheblich ausgebaut und die Jugendlichen frühzeitig auf die über 300 anerkannten nicht-akademischen Ausbildungsberufe hingewiesen werden.
•    Schon bei den Elternabenden in den Grundschulklassen muss neben den Beratungslehrern der allgemeinbildenden Schulen verpflichtend der Beratungslehrer der zuständigen beruflichen Schule eingeladen werden.
Nur er kann über die vielfältigen Möglichkeiten der berufsschulischen Bildungswege korrekt informieren, die dem Motto folgen: „Kein Abschluss ohne Anschluss“.


Verantwortlich für den Inhalt: Heiko Pohlmann  Kapellenstr. 82,  82239 Alling, Handy-Nr.: 0179/  1391138   

Gemeinsame Erklärung der abl und des BLLV - Hilfen für Flüchtlinge und Bildung nicht gegeneinander ausspielen!

München, den 20.07.2015
Flüchtlinge suchen in Deutschland und Bayern Schutz vor Terror, Vergewaltigung,
Verfolgung und Mord. Ein Ende ist nicht absehbar. Wir bayerischen Lehrerverbände
wollen und müssen handeln – und das Gleiche erwarten wir von der Politik!
Ausdrücklich begrüßen wir daher, dass die Bayerische Staatsregierung einen
Nachtragshaushalt von 1,3 und 1,5 Milliarden Euro plant.

Asyl ist Menschenrecht. In Deutschland ist es zudem im Grundgesetz als
Grundrecht festgeschrieben. Menschen haben ein Recht auf menschenwürdige
Behandlung. Die Bayerische Verfassung beschreibt in Artikel 131 als Ziele der
Bildung, Schüler zu erziehen zur „Achtung vor der Würde des Menschen“, zu
„Verantwortungsgefühl“, „Hilfsbereitschaft und Aufgeschlossenheit“ und „im Sinne
der Völkerverständigung“. Das gilt uneingeschränkt für geflüchtete Kinder und
Jugendliche sowie deren Familien.

Mit Nachdruck wenden wir Lehrerverbände uns gegen alle Versuche, Ressourcen für
Hilfen für Flüchtlinge und Asylbewerber/innen gegen Ausgaben im Bildungshaushalt
aufzurechnen. Es ist unmöglich, die Mehrbelastungen der Schulen in Folge der
Aufnahme von Flüchtlingskindern mit den vorhandenen Mitteln zu finanzieren. Wir
Lehrerverbände stellen uns dem gemeinsam entschieden entgegen. Mehr Flüchtlinge
erfordern mehr Geld für ihre Beschulung. Bayern braucht beides: Unterstützung
für Flüchtlinge und einen bestmöglich ausgestatteten Bildungsbereich.
Wir haben in Bayern motivierte Lehrer/innen, die gerne und engagiert arbeiten –
egal ob mit deutschen Schüler/innen oder mit Flüchtlingen und
Asylbewerber/innen. Doch dazu brauchen sie Zeit und Unterstützung.

Die bayerischen Lehrerverbände stellen klar:
Wir fordern, dass die Themen „Flüchtlinge“ und „Bildung“ nicht gegeneinander
ausgespielt werden. Wer die Menschen vor eine solche Entscheidung stellt,
provoziert Unzufriedenheit und Neid. Dadurch würde der soziale Frieden im
Freistaat Bayern gefährdet. Es darf in diesem Zusammenhang kein „Entweder-oder“
geben.

Wir fordern zusätzliche Mittel für Flüchtlinge in unseren Schulen. Wir brauchen
vor allem geschultes Personal, das auf die besonderen Bedürfnisse der Kinder und
Jugendlichen angemessen eingehen kann: Psycholog/innen, Dolmetscher/innen und
Lehrer/innen mit Kenntnissen in Deutsch als Zweitsprache etc.
Wir fordern einen angemessenen Anteil aus dem geplanten Nachtragshaushalt für
den Bildungsbereich. Die Vorstellung, dass die Hilfe für Flüchtlinge aus den
vorhandenen Mitteln des Bildungsetats bestritten werden könnte, ist absurd. Der
Bildungsetat ist angesichts gewaltiger Herausforderungen (individuelle
Förderung, Ganztag, Inklusion) bereits jetzt unterfinanziert.
Wir fordern eine bedarfsorientierte und unbürokratische Verteilung der
zusätzlichen Mittel! Wir favorisieren die Bildung einer „Task-Force
Flüchtlinge“. Dabei soll entsprechend geschultes Personal möglichst mit
Erfahrungen im Bereich „Deutsch als Zweitsprache“ schnell und unkompliziert
eingesetzt werden. Geeignete Angebote zur Nachqualifikation sind
schnellstmöglich zur Verfügung zu stellen. Ausgebildete Lehrkräfte sind
ausreichend vorhanden (arbeitslose Junglehrer/innen und
Wartelistenbewerber/innen).

Wir bieten unsere Hilfe an. Für Fragen der Bildung und der Beschulung von
Flüchtlingen sind wir kompetente Ansprechpartner. Wir kennen die
Herausforderungen der Praxis und bündeln wertvolles Know-how. Wir fordern eine
Arbeitsgruppe des Kultusministeriums mit den Lehrerverbänden und weiteren
Experten. Sie soll einen Masterplan erstellen, wie die Schulen in die Lage
versetzt werden, die Flüchtlinge aufzunehmen.
Wir Lehrerverbände bekennen uns zu den Grundrechten und der konsequenten
Umsetzung des Bildungsauftrags unserer bayerischen Verfassung für alle Menschen.

gez.
Jürgen Böhm
Vorsitzender des Bayerischen Realschullehrerverbandes (brlv)
Simone Fleischmann

Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV)
Ursula Lay

Präsidentin der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Lehrerverbände (abl)
Vorsitzende der Katholischen Erziehergemeinschaft Bayern (KEG)

Max Schmidt
Erster Vorsitzender des Bayerischen Philologenverbandes (bpv)

Jürgen Wunderlich
Landesvorsitzender des Verbandes der Lehrer an Beruflichen Schulen (VLB)

Pressestimmen

Augsburger Allgemeine 21.07.2015

SZ Freising 21.07.2015

 

Der Bayerische Beamtenbund fordert

Der Bayerische Beamtenbund fordert von der Staatsregierung den Verzicht auf die bis zum Jahr 2019 geplante Streichung von 2600 Stellen. «Wir sind an einem Punkt angelangt, an dem es nicht mehr geht», sagte BBB-Chef Rolf Habermann am Mittwoch in München zu 200 Delegierten und Finanzminister Markus Söder (CSU). Festgelegt sind die Streichungen im Haushaltsgesetz. Der entsprechende Artikel müsse gestrichen werden, verlangte Habermann. Im Gesetz ist für die Jahre von 2015 bis 2019 die Streichung von jeweils 520 Beamtenstellen eingeplant.

Weiterlesen: Der Bayerische Beamtenbund fordert

VLB Verband der Lehrer an beruflichen Schulen in Bayern e.V.
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