Presseinformation 24.11.2016 Berufsbildungskongress Berufliche Bildung 4.0

 

Berufliche Bildung 4.0 - „Allen Schülerinnen und Schülern gerecht werden“
Lehrerverband fordert Umsetzung der „Drei-plus-zwei-Regelung“ bei der Berufsausbildung von Flüchtlingen

Jürgen Wunderlich, Landesvorsitzender des Verbandes der Lehrer an beruflichen Schulen in Bayern (VLB) im Vorfeld des Berufsbildungskongresses in Deggendorf

München/Deggendorf. „Das Schulsystem muss allen Schülerinnen und Schülern gerecht werden“, fordert der Landesvorsitzende des Verbandes der Lehrer an Beruflichen Schulen in Bayern (VLB) Jürgen Wunderlich im Vorfeld des 13. Berufsbildungskongresses am heutigen Donnerstag in Deggendorf. „Für die Integration von Flüchtlingen müssen wir Planungssicherheit haben“, so der Landesvorsitzende mit Blick auf die so genannte Drei-plus-zwei-Regelung. Nach dieser Regelung sollen Flüchtlinge drei Jahre einen Beruf erlernen und anschließend zwei Jahre arbeiten. Die IHK Schwaben zum Beispiel konnte im Herbst 2016 rund 150 junge Flüchtlinge in Ausbildung bringen. Sie macht darauf aufmerksam, dass es dabei mit der Drei-plus-zwei-Regelung nun auch gelungen sei, für 30 ausländerrechtlich schwierige Fälle, die notwendige Arbeitserlaubnis der Ausländerbehörden zu erhalten. „Unsere Lehrerinnen und Lehrer stellen sich der Integration von Flüchtlingen mit einem außerordentlich hohen Engagement und viel Herzblut“, ergänzte Wunderlich. Nach den Worten Wunderlichs gelinge Integration nur, wenn Ausbildungsbetriebe und Berufsschulen Klarheit über das Bleiberecht der jungen Menschen haben. Bayern sei das Bundesland, das systematisch aufgebaute Bildungsgänge für Flüchtlinge und Asylbewerber bis zum 21. Lebensjahr entwickelt habe. Dafür wünscht sich der Landesvorsitzende Planungs- und Rechtssicherheit für die Ausbildungsbetriebe, die Berufsausbildungsverträge abschließen. „Eine Berufsausbildung ist der Schlüssel für eine erfolgreiche Integration von Flüchtlingen“, so der Landesvorsitzende mit Blick auf den Bildungsauftrag der beruflichen Schulen.

Berufliche Bildung 4.0 - Ausstattung der beruflichen Schulen verbessern
„Die beruflichen Schulen müssen mit den notwendigen Ressourcen ausgestattet werden“, betonte Jürgen Wunderlich mit Blick auf die künftigen Herausforderungen in der beruflichen Bildung. Allein die zunehmende Digitalisierung in der Wirtschaft erfordere zusätzliche  Planstellen für Lehrkräfte und deutlich mehr Mittel für die gemeinsame Fortbildung von Lehrkräften und betrieblichen Ausbildern. Besonders bei den beruflichen Schulen müssten zudem umfangreiche Investitionen in die Sachausstattung erfolgen. Die Sozialpartner forderte Wunderlich auf, mit den beruflichen Schulen der Bundesländer noch besser zusammenzuarbeiten, um die Ausbildungspläne mit Blick auf die Digitalisierung 4.0 weiterzuentwickeln und umzusetzen.

Berufliche Bildung weiter stärken
„Der berufliche Bildungsweg müsse als eigenständiger Weg in eine berufliche Existenz anerkannt werden, der ebenso zur Hochschule führt wie der Weg über das Gymnasium“, so Wunderlich. Nach den Worten des Landesvorsitzenden leisteten die beruflichen Schulen einen „entscheidenden Beitrag für die Durchlässigkeit des bayerischen Schulsystems“. Auch deswegen dürfe bei der Ausstattung der Schulen mit Personal und Sachmitteln zwischen allgemein- und berufsbildenden nicht weiterhin mit „unterschiedlichen Maßstäben“ gemessen werden. Die Gesellschaft brauche nicht nur Akademiker, sondern auch hervorragend qualifizierte Fachkräfte, die sich über die berufliche Bildung qualifizieren.

Leistungen der Lehrkräfte an beruflichen Schulen würdigen
Es sei „nicht nachvollziehbar“, dass Lehrkräfte der beruflichen Schulen ein höheres Wochenstundenmaß, als etwa Lehrkräfte am Gymnasium haben. Schließlich unterrichten auch die Lehrkräfte der beruflichen Schulen in der Sekundarstufe II. Außerdem stünden die Berufsschullehrerinnen und -lehrer in ständiger zeitaufwändiger Kooperation mit Betrieben und Kammern. Sie beschäftigten sich permanent mit technischen, rechtlichen und wirtschaftlichen Innovationen, die im Unterricht berücksichtigt werden müssten. Mit hoher geistiger und fachlicher Mobilität und überdurchschnittlicher Fortbildungsbereitschaft müssten die Lehrkräfte immer wieder auf neue Ausbildungsberufe, geänderte Berufsbilder und Lehrplaninnovationen ebenso wie auf die zukünftigen Entwicklungen wie etwa Industrie 4.0 reagieren.

In fast 40% aller Berufsschulklassen seien gleichzeitig Schülerinnen und Schüler mit Hauptschulabschluss, mit Mittlerer Reife oder mit einer Hochschulzugangsberechtigung. Die Lehrkräfte unterrichteten Förderschüler ebenso wie Abiturienten, Jugendliche ohne Ausbildungsverhältnisse neben Studienabbrechern. Die Lehrkräfte an beruflichen Schulen führen etwa Bäcker, Fleischer und Friseure ebenso wie Techniker, Mechatroniker, Informatiker und medizinische Fachangestellte zu einem erfolgreichen Berufsabschluss. Diese besonderen Anforderungen müssten endlich auch bei der Bemessung der Unterrichtspflichtstunden und Anrechnungsstunden für Schulleitungs- und Schulverwaltungsaufgaben besser berücksichtigt werden. „Die Heterogenität der Schülerschaft an den beruflichen Schulen ist so wie an keiner anderen Schulart“, so der Landesvorsitzende. „Um allen Schülern gerecht zu werden brauchen wir mehr Lehrkräfte, kleinere Lerngruppen, zusätzlichen Förderunterricht, aber auch eine verbesserte Ausstattung der beruflichen Schulen mit Schulsozialarbeitern und Schulpsychologen.“

Inklusion umsetzen
Die beruflichen Schulen seien bereit, die Herausforderung „Inklusion“ anzunehmen. Demnach haben Schülerinnen und Schüler mit Benachteiligungen das Recht, an einer Regelschule unterrichtet zu werden. Allerdings sei hierfür zusätzliches sonderpädagogisch qualifiziertes Lehrpersonal an den beruflichen Schulen notwendig. Sonst könne dieser Rechtsanspruch nicht eingelöst werden, konstatierte Wunderlich.

Weiterentwicklungen diskutieren
Der Lehrkräfte der beruflichen Schulen in Bayern beschäftigen sich am 13. Berufsbildungskongress auch mit künftigen berufsbildungspolitischen Herausforderungen. Im Einzelnen setzt sich der Verband der Lehrer an beruflichen Schulen für eine Weiterentwicklung der beruflichen Bildung in folgenden Bereichen ein:

Mit Blick auf den hervorragenden Ruf der bayerischen Wirtschaftsschulen müsse es ein klares bildungspolitisches Bekenntnis geben, die Wirtschaftsschulen zu stärken. Dazu gehöre etwa, die maximale Klassengröße von 32 Schülerinnen und Schüler deutlich zu reduzieren und anderen Schularten anzugleichen. Der VLB begrüßt ausdrücklich die Ausweitung des Schulversuchs 6. Jahrgangsstufe Wirtschaftsschule.   

  • Die Ausbildung der Lehrkräfte an beruflichen Schulen muss weiterentwickelt werden, ohne dass deren Qualität verschlechtert wird. Dabei müsse die schulartspezifische Lehrerbildung erhalten werden.
  • Um die Durchlässigkeit des bayerischen Schulsystems weiter zu verbessern, müsse  allen Fachoberschulen und Berufsoberschulen ausreichend Planstellen für Lehrkräfte zur Verfügung gestellt werden.
  • Zur Sicherung der Lehrerversorgung werden Anreiz- und Werbestrategien notwendig sein. Das universitäre Studium und das zweijährige Referendariat muss für Lehrkräfte an beruflichen Schulen beibehalten werden.

Der 13. Berufsbildungskongress findet von 24. – 26. November in Deggendorf statt. Vertreter aus Politik, Schule, Wissenschaft und Wirtschaft diskutieren über wichtige Fragen zur beruflichen Bildung. Zur öffentlichen Hauptveranstaltung am Freitag, 25. November um 16:00 Uhr referieren Bayerns Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle sowie der VLB-Landesvorsitzende Jürgen Wunderlich über die Zukunft der Beruflichen Bildung in Bayern.
 
Landesvorsitzender Jürgen Wunderlich

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