VLB Thema des Tages Abschiebung aus dem Unterricht

Aus aktuellem Anlass veröffentlichen wir online vorab das „Thema des Tages“ der vlb-akzente, Ausgabe 07/2017.

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
als ich den Text bereits fertig geschrieben hatte, kam plötzlich das Thema „Abschiebung aus dem Unterricht“ auf uns zu. Das ist nicht nur ein „Thema des Tages“ sondern wird uns mit Sicherheit noch lange beschäftigen. Deshalb beziehe ich mich hier nur auf den einen Vorfall. Die Stellungnahmen von Politikern, Presse, der Kirche und den Verbänden konnten Sie ja aus den Medien entnehmen.

Keine Abschiebung aus dem Klassenzimmer
Wie soll nun der VLB mit dem Thema umgehen? Wir haben dieses sensible Thema schon lange auf der „Agenda“. In den vergangenen Wochen und Monaten forderten wir bei Gesprächen mit Politikern, dass es keine Abschiebung aus dem Unterricht geben darf. Das zerstört das Vertrauensverhältnis zu der Einrichtung Schule und zu uns Lehrern.

Wie sollen wir die Flüchtlinge und Asylsuchenden motivieren, in der Schule Deutsch zu lernen? Wie sollen wir Ihnen das Gefühl geben, dass sie bei uns in der Schule sicher sind?
All das hatten wir in der Vergangenheit mit Vertretern der Politik aller Parteien besprochen und uns wurde immer wieder zugesagt, dass es keine Abschiebung aus dem Klassenzimmer geben wird.

Nun also doch
Joachim Herrmann bemühte sich um Schadensbegrenzung und um eine objektive Darstellung des Sachverhaltes. In einem Interview mit der „Mitteldeutschen Zeitung“ betonte er: „Solche Maßnahmen in einer Schule sind eine absolute Ausnahme und werden auch weiterhin eine absolute Ausnahme bleiben.“
Für mich stellt sich nun die Frage, was solche „absoluten Ausnahmen“ sind? Wer bestimmt, was eine absolute Ausnahme ist? Etwa die Polizei? Mein höchster Respekt vor der Polizei. Die Polizisten sind ja für die meisten schon die Prügelknaben der Nation! Nein, man muss die Polizeibeamten hier ganz klar in Schutz nehmen. Sie führen ja nur das aus, was ihnen aufgetragen wurde. Also die Regierungen? Die Ausländerbehörde? Wer bestimmt was eine absolute Ausnahme ist? Soll hier nach freiem Ermessen bestimmt werden? Nein, liebe Kolleginnen und Kollegen, so einfach darf es sich die Politik nicht machen. Eine absolute Ausnahme muss dann auch von ganz oben kommen. Die politisch Verantwortlichen müssen bestimmen, was eine absolute Ausnahme ist und dafür gerade stehen.

Absolute Ausnahmen planen
Wie geht es nun aber weiter? Gibt es einen Masterplan, wenn wieder so ein absoluter Ausnahmefall eintritt? Jetzt hat man Zeit einen solchen Masterplan in Ruhe zu erstellen. Natürlich kann es eine solche Ausnahme geben. Aber dann bitte nicht zwei uniformierte Beamte mit Streifenwagen schicken. Die Vorgehensweise muss genau geplant werden. Wie informiert man den Schulleiter? Wer geht in die Schule? Wie informiert man die Mitschüler? Und das Wichtigste. Warum muss es während der Schulzeit sein?

Respekt vor den Mitschülern
Wissen Sie, was ein Schwerpunkt in der abl, der Arbeitsgemeinschaft bayerischer Lehrerverbände, ist? Jürgen Wunderlich hat es in der vlb-akzente, Ausgabe 03-04/2017 beschrieben: Die Wertevermittlung. Nun schauen wir wieder nach Nürnberg. In der „Süddeutschen Zeitung“ wird das sehr gut formuliert: „Man muss sich nur kurz in die Lage der Mitschüler dieses jungen Mannes aus Afghanistan versetzen. Da flimmern etwa eine Stunde vor Unterrichtsbeginn diese Bilder aus Kabul aufs Smartphone, ganze Straßenzüge sind zerstört. Dann ertönt der Gong und es marschieren Polizeibeamte ins Schulgebäude, die einen Menschen abholen wollen, der genau dort hingeschickt werden soll. Er ist ein Klassenkamerad, ein 20 Jahre alter Mensch, der ihre Sprache gelernt hat, integriert und beliebt ist und eine Ausbildung in Aussicht hat. Einer wie sie also.“
Genau das Wissen hatten die Berufsschüler. Auch wenn der Innenminister in Nachhinein ein anderes Bild des 20 Jährigen objektiv darstellt, so hatten die Mitschüler darüber zu dem Zeitpunkt wahrscheinlich keine Kenntnis.

Wertebewusst gehandelt
Was sollten sie also tun? Einfach weitermachen im Unterricht? Wegschauen? Die Mitschüler haben sich dazu entschlossen, ihrem Freund und Schulkameraden zu helfen – einfach so, spontan. Vor allem friedlich, keine Gewalt, keine Beleidigungen.
Ist das nicht die Werteerziehung, die wir immer wieder einfordern? Sollen sich junge Leute nicht für andere einsetzen? Politische Bildung, Werteerziehung. Genau das wünschen wir uns doch!

Eklat durch Chaoten
Dass sich dann leider Linksautonome gewaltbereite Chaoten unter die friedlichen Berufsschüler mischten, führte schließlich zum Eklat. Verletzte Polizisten, die mit Flaschen und Fahrrädern beworfen wurden, waren die Folge.
Damit so ein Vorfall in Zukunft nie wieder vorkommt, möchte ich zum Schluss Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm zitieren, der auf Facebook folgenden Satz schrieb: „Die Politik solle den Vorfall als Alarmzeichen und Grund zum Umdenken nehmen.“

Ihr Christian Wagner
Stellvertretender Landesvorsitzender

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