2016 – ein Jahr der Entscheidungen

Ich weiß, die Dinge, die aktuell auf unsere beruflichen Schulen, auch auf die eigene Schule und den Verband einprasseln, werden in diesem Jahr besonders vielfältig und sicher nicht immer einfach zu lösen sein. Vor allem wird die Zeit bis zum Start des neuen Schuljahres 2016/17 für alle an der Flüchtlingsbeschulung Beteiligten zu einer sehr großen Herausforderung. Es dürfte sich wohl um die größte der letzten Jahre handeln, zumal mittlerweile alle Berufsschulen und auch weitere berufliche Schulen in Bayern betroffen sein werden.

Eine Auswahl aktueller Themen 2016
Zum Jahresbeginn legte der Geschäftsführende Vorstand des VLB die Themen fest, die bei den traditionellen Gesprächsrunden mit der Abteilung VI des KM und unseren Gesprächspartnern aus den Parteien und Interessenvertretungen besprochen werden. Dazu gehören u. a. folgende Themen:

  • die Beschulung der berufsschulpflichtigen Asylbewerber und Flüchtlinge (siehe auch TdT 01/2016 und Aktuelles aus dem GV 01/2016);
  • die Stellensituation an beruflichen Schulen (Einstellungssituation, Reduzierung der Klassengrößen, Bildung der integrierten Lehrerreserve);
  • die Lehrerbildung;
  • der Integrierte Masterstudiengang;
  • die FOS (Modellversuche, Stellenhebungen, Vorklassen);
  • die Wirtschaftsschulen;
  • die Technikerschulen;
  • die Reform der Gesundheitsberufe;
  • die Schulpsychologie und
  • die Fachlehrerausbildung.

Berufsschulpflichtige Asylbewerber und Flüchtlinge
Bereits bei der 83. Sitzung des Landesschulbeirats am 19.10.2015 gab Staatsminister Dr. Ludwig Spaenle bekannt, dass auch weiterhin mit einem massiven Zuzug von Flüchtlingen und Asylbewerbern nach Bayern zur rechnen ist. Nach dem Königssteiner Schlüssel übernimmt Bayern 15,3 % der Asylsuchenden. Insbesondere ist davon auszugehen, dass ein weitaus größerer Anteil einen Aufenthalt in Bayern anstrebt, weil im bayerischen Beschulungssystem, das auf Bundesebene nahezu einmalig ist, Einzelmaßnahmen gut aufeinander abgestimmt sind. Dazu wurde die Anzahl der Übergangsklassen an Grund- und Mittelschulen (471 Klassen, Stand 15.10.2015) als auch die der Berufsintegrationsklassen für berufsschulpflichtige Asylbewerber im zweijährigen Modell (440 Klassen, Stand 15.10.2015) spürbar angehoben. (Zum Vergleich: im Oktober 2014 gab es 180 Berufsintegrationsklassen; zum neuen Schuljahr 2016/2017 sollen ca. 24.000 Schüler in 1.200 Klassen beschult werden). In großer und größer werdender Zahl erhalten allein reisende junge Flüchtlinge die besondere Förderung und Aufmerksamkeit, die für ihren Übergang in das Beschäftigungsverhältnis nötig sind. Berufliche Schulen können diese Aufgabe sehr gut leisten, wenn ihnen die erforderlichen Ressourcen bereitgestellt werden. Dann sorgt diese Schulart wesentlich mit dafür, dass die gesellschaftliche Integration gelingt. Die wichtigste Ressource einer Schule sind kompetente und motivierte Lehrkräfte, die ihre Arbeit in zeitgemäß ausgestatteten Lernräumen ausüben.

Da es bedauerlicherweise nicht genügend Referendare mit der Lehrbefähigung für das Lehramt an beruflichen Schulen gibt, um den Bedarf zu decken, fordert der VLB die Einstellung von Lehrpersonal in folgender Reihenfolge:

  1. Referendare mit der Lehrbefähigung für das Lehramt an beruflichen Schulen;
  2. Gymnasiallehrkräfte, die das Referendariat an einer beruflichen Schule absolviert haben oder
  3. Gymnasiallehrkräfte mit einer Nachqualifikation für den Einsatz an beruflichen Schulen, die sich mit befristeten Verträgen bewährt haben.

Weitere Voraussetzungen: Die Schulleiter müssen eine entscheidende Mitsprache bei der Einstellung haben.
Gymnasiallehrkräfte müssen bei der Übernahme das Recht und die Pflicht haben, sich für den Einsatz an beruflichen Schulen nachzuqualifizieren.

FOS/BOS: Absenkung der Notengrenze für den Eintritt in die 13. Jahrgangsstufe der Fachoberschule
Mit KMS vom 14.12.2015 teilte Staatsminister Dr. Spaenle erfreulicherweise mit, dass die Notengrenze für den Zugang zur 13. Jahrgangsstufe der Fachoberschule mit Beginn des Schuljahres 2016/17 von 2,8 auf 3,0 abgesenkt werden kann.
Begründet wird die Absenkung mit der kontinuierlichen über die letzten Jahre gezeigten hohen Leistungsfähigkeit der FOS 13. So haben die Schülerinnen und Schüler sehr gute Ergebnisse bei den Abschlussprüfungen erzielt – im Schuljahr 2014/15 haben 99,0 Prozent der Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe 13 der Fachoberschule die Abiturprüfung erfolgreich abgelegt. Damit wird eine langjährige VLB-Forderung erfüllt, die dazu beiträgt, gerade im ländlichen Bereich die Durchlässigkeit des bayerischen Bildungswesens weiter zu erhöhen. Wir danken Staatsminister Dr. Spaenle für die Entscheidung.

11. Fachtagung der FOS/BOS
Am Samstag, 16.04.2016 findet die 11. Fachtagung der FOS/BOS unter dem Motto „LebensRAUM FOS/BOS“ an der Staatlichen Fach-und Berufsoberschule im oberpfälzischen Regensburg  statt, zu der ich Sie als Landesvorsitzender recht herzlich einlade. Es werden verschiedene Präsentationen, Workshops und Arbeitskreise angeboten. MR Günter Liebl hat dankenswerterweise seine Mitwirkung zugesagt und wird die FOS/BOS-Lehrkräfte über aktuelle Entwicklungen der Schulart informieren.

„Ausbildung? Bringt dich groß raus.“
MD Herbert Püls informierte mit KMS vom 15.12.2015 alle Schulen über eine bayernweite Woche der Aus- und Weiterbildung, die vom 19.–27. Februar 2016 stattfindet. Sie wird von der Allianz für starke Berufsbildung veranstaltet. Dieser Allianz gehören die verantwortlichen Ministerien, sowie Vertreter des Handwerks, der Industrie und des Handels, der Wirtschaft und die Regionaldirektion Bayern der Bundesagentur für Arbeit an. Auch wenn der VLB bedauerlicherweise nicht in die Veranstaltung mit eingebunden ist, so wollen wir doch im Sinne der Sache dafür werben und Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler auf dieses interessante Angebot aufmerksam machen. Nähere Informationen finden Sie unter: www.woche-der-ausbildung.bayern  

Liebe Mitglieder, wir freuen uns auch, wenn Sie in den Kreisen, Bezirken und Fachgruppen aktiv am Verbandsleben teilnehmen, sich dort mit Ihrer Fachkompetenz einbringen und zur Übernahme eines Amtes in Ihrem Kreis- oder Bezirksverband bereit sind. Wir danken Ihnen für Ihr persönliches Engagement und Ihre Treue zum VLB. Besonders begrüße ich auch die zahlreichen  neuen jungen Mitglieder in unserem Verband und hoffe, dass Sie bald erkennen, wie wichtig der VLB als Gemeinschaft von Lehrerinnen und Lehrern an beruflichen öffentlichen und privaten Schulen ist. Alles Gute für Sie!

Ihr
Jürgen Wunderlich
VLB-Landesvorsitzender

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