kurz&knackig 2011/12

Geschrieben von Liebel Alexander

Buchbesprechung „Einführung in die Rechtswissenschaft“ – nicht nur für angehende Juristen ein Gewinn Kühl/Reichold/Ronellenfitsch Juristische Kurz-Lehrbücher, C. H. Beck, München 2011

Auf den ersten Blick denkt man, das ist nur etwas für den juristischen Nachwuchs in unserem Land. Aber wie so oft im Leben, sollte man nicht vorschnell urteilen und einen zweiten, intensiveren Blick investieren.

Die drei renommierten Autoren sind zweifellos „wissenschaftliche Schwergewichte“ der Universität  Tübingen (Kühl einer der bekanntesten Strafrechtsprofessoren, Reichold Richter am Staatsgerichtshof für das Land Baden-Württemberg, Ronellenfitsch oberster Datenschützer in Hessen), die den Mut hatten, in das gesamte Rechtssystem einzuführen, was sich kaum noch Rechtswissenschaftler zutrauen. Dankenswerterweise hat der Verlag darauf verzichtet, den didaktischen Ansatz der einzelnen Autoren „vereinheitlichen“ zu wollen, wodurch die Individualität der Juristen voll zum Tragen kommt, was sich im Gesamteindruck sehr positiv bemerkbar macht.

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kurz&knackig 2011/01

Geschrieben von Liebel Alexander

„Zukunft durch Bildung – Deutschland will’s wissen“

Über eine halbe Million Bürgerinnen und Bürger beteiligten sich an der Online-Bürgerbefragung „Zukunft durch Bildung – Deutschland will’s wissen“, die im März 2011 abgeschlossen wurde. Initiatoren der Befragung waren Roland Berger Strategy Consultans, die Bertelsmann Stiftung, BILD und Hürriyet, die größte türkischsprachige Tageszeitung in Europa. Das renommierte Meinungsforschungsinstitut TNS Infratest war für die Durchführung verantwortlich, der Fragebogen wurde von der Bertelsmann Stiftung in Zusammenarbeit mit Bildungsexperten erstellt. Die rund 30 Fragen befassten sich mit allen Bereichen des Bildungssystems.
Für den eiligen Leser eine thesenartige Zusammenfassung der Ergebnisse:

  1. Bildung und Ausbildung haben für die Befragten einen hohen Stellenwert – zugleich ist die Unzufriedenheit mit dem deutschen Bildungssystem groß
  2. Der größte Handlungsbedarf liegt im Bereich Schule
  3. Der Politik wird keine Bereitschaft zu grundlegenden Reformen zugetraut
  4. Zentrale Aufgabe des Bildungssystems ist es, sozialen Aufstieg möglich zu machen
  5. Die Bürger sind bereit, sich stärker an der Finanzierung des Bildungssystems zu beteiligen
  6. Befragte fordern strukturellen Wandel im Bildungssystem
  7. Ganztagesunterricht ist das bevorzugte Schulmodell
  8. Gewünscht wird mehr Einheitlichkeit im deutschen Bildungswesen
  9. Es gibt in der Bevölkerung noch keine Mehrheiten für umfassende Inklusion
  10. Es gibt eine knappe Mehrheit für eine bedarfsorientierte Ressourcenausstattung im Bildungssystem (Keine „Gießkanne“).


Nach Auskunft der „Macher“ ist die anonyme Umfrage nicht repräsentativ, weil die Befragten nicht zufällig ausgewählt wurden (jeder der wollte konnte mitmachen), aber nach der Teilnehmerzahl die größte Umfrage zum Thema Bildung, die es je in Deutschland gab.

Eine intensive Auseinandersetzung mit der Umfrage ist in jedem Fall empfehlenswert, wenn man sich für das Thema Bildung interessiert. Eine ausführliche Darstellung findet man unter www.bildung2011.de.

kurz&knackig 2010/02

Geschrieben von Liebel Alexander

Bayerische Wirtschaftsschulen sind erfolgreich bei Vera 8

Ab dem Schuljahr 2008/2009 werden an allen weiterführenden allgemeinbildenden Schulen in öffentlicher Trägerschaft jährliche, bundesweite Vergleichsarbeiten der Jahrgangsstufe 8 (Vera 8) verpflichtend im Fach Mathematik sowie freiwillig in den Fächern Deutsch und Englisch durchgeführt. Diese Vergleichsarbeiten sind standardisierte Schulleistungstests, die eine objektive, auf einen nationalen Maßstab (Bildungsstandards) bezogene Bestimmung von Schülerleistungen ermöglichen. Ziel dieser Maßnahme ist die individuelle Förderung der Schüler. Vera 8 kann damit beitragen zur Sicherung und Steigerung der Unterrichtsqualität. Es bleibt den Schulen vor Ort überlassen, welche pädagogischen Konsequenzen sie aus „ihren“ Ergebnissen ziehen. Damit ist die einzelne Schule in der Lage, unter Berücksichtigung der örtlichen Gegebenheiten, eigenverantwortlich zu agieren, so wie es für ihre Schüler richtig ist.
Es hat sich gezeigt, dass die Wirtschaftsschulen (teilgenommen haben die Schülerinnen und Schüler mit der Wahlpflichtfächergruppe M) sehr positive Ergebnisse in den Schuljahren 2008/2009 und 2009/2010 erzielen konnten. Die Wirtschaftsschulen hatten nämlich in den beiden Vergleichsarbeiten den höchsten prozentualen Anteil an Schülern in der obersten Kompetenzstufe (Kompetenzstufe 5) von allen Schularten, die zum mittleren Schulabschluss führen, verzeichnet.

Jeder weiß: Gute mathematische Kenntnisse sind eine hervorragende Ausgangsbasis für die weitere schulische und berufliche Entwicklung der Schülerinnen und Schüler. Sowohl in anspruchsvollen dualen Ausbildungsberufen als auch in den weiterführenden beruflichen Oberschulen werden fundierte Kenntnisse in diesem Bereich gefordert, sind quasi unerlässlich. Mit den sehr erfreulichen Ergebnissen in den Vergleichsarbeiten Mathematik der Jahrgangsstufe 8 zeigen die Wirtschaftsschulen, sie sind mit ihrem hohen Qualitätsanspruch als berufsvorbereitende Schulen auf dem richtigen Weg und brauchen den Wettbewerb mit anderen Schularten nicht zu scheuen, ganz im Gegenteil.

kurz&knackig 2010/01

Geschrieben von Liebel Alexander

Modellversuch Universitätsschule – erste Eindrücke

Als junge Studenten der Wirtschaftspädagogik , an der damaligen Nürnberger – WiSO in der Findelgasse, hatten wir in den siebziger Jahren mit Vehemenz gefordert, die universitäre Bildung viel stärker als bisher an der schulischen Realität zu orientieren und „endlich mit Berufsschülern in Kontakt zu kommen “. Zum Verständnis: Damals gab es nur in sehr geringem zeitlichen Umfang „Schulpraktische Studien“, die sich aber ausschließlich darauf beschränkten, ungefähr vier Stunden zu hospitieren. Eigene Unterrichtsversuche durften wir nicht machen. Wir waren damals über diese Situation sehr unzufrieden, heute würde man sagen frustriert.

Wahrscheinlich war es die Erinnerung an die eigene Studienzeit, die mich bewogen hat, die Idee der Universitätsschule spontan begeistert aufzugreifen. Als unsere Schule im Frühsommer 2009 gefragt wurde, ob wir uns beteiligen wollen, habe ich nach einer kurzen schulinternen Diskussion zugesagt. Seit dieser Zeit bin ich in meiner Eigenschaft als Schulleiter einer von drei Universitätsschulen in den Modellversuch Universitätsschule am Nürnberger WIPÄD-Lehrstuhl Wilbers eingebunden. Erstmals im November 2009 hatte ich die Gelegenheit –im Rahmen des Welcome Weekends des Nürnberger Master im Schullandheim Pottenstein- mit den Studierenden das Konzept Universitätsschule zu diskutieren. Mein subjektives Ergebnis der Diskussion in Kurzform ausgedrückt: Die Studenten sind von der Idee überzeugt und erwarten sich Modifizierungen der Konzeption.

So zeigt sich in der Praxis, es ist sehr schwierig, die Zeit- und Stundenpläne der Studenten sinnvoll zu koordinieren mit den zeitlichen Vorgaben der Universität und der Universitätsschulen. Der Koordinierungsaufwand ist immens und stößt bisweilen an nahezu unüberwindbare Grenzen. Darüber hinaus hat sich sehr schnell herauskristallisiert, das Konzept Universitätsschule stellt an die Studenten hohe Ansprüche, und zwar in quantitativer wie auch in qualitativer Hinsicht. Das heißt, die jungen Leute müssen nicht nur sehr viel Zeit investieren, sondern es wird auch eine neue „Studien-Kultur“ eingefordert, die in sehr hohem Maße Eigenverantwortung abverlangt und besondere Fähigkeiten der Selbstorganisation voraussetzt. Dabei stellt sich für mich die Frage, ob das von den Studenten eingeforderte Engagement in einem gerechten Verhältnis zu den erreichbaren Credit-Points steht?

Die Universitätsschule ist im Schulleben präsent! Das ist für mich bereits nach relativ kurzer Zeit spürbar geworden. Es entwickelt sich auch ein Vertrauensverhältnis zwischen Studierenden und Mentoren bzw. Mentorinnen, die Gespräche dauern meist deutlich länger als konzeptionell geplant. Ein positives Zeichen, wie ich meine. Es wird deshalb auch immer wieder der Wunsch geäußert, für die Nachbesprechung des Unterrichts mehr Zeit als bisher einzuplanen und dafür die Stunden für Hospitationen tendenziell zurückzufahren. Im Sinne einer intensiven Auseinandersetzung mit dem „komplexen System Unterricht“ sicherlich ein konstruktiver Gedanke.

Die Zusammenarbeit von Universität und Schule wird für die Studenten tatsächlich erleb- und spürbar. Wissenschaftliche Erkenntnisse und schulischer Alltag begegnen sich. Beide „Seiten“ profitieren von einander! Nach meinen ersten Eindrücken trägt die Universitätsschule dazu bei, „Theorie und Praxis miteinander zu versöhnen“ und bei den Studenten die Furcht vor dem sprichwörtlichen Praxisschock abzubauen.

Nach meiner persönlichen Einschätzung ist die Universitätsschule auf einem guten Weg, auf dem sich aber auch Stolpersteine befinden. Im intensiven Austausch zwischen Studenten, Universität und Universitätsschulen sollte es gemeinsam gelingen, vorhandene Hindernisse zu beseitigen.

kurz&knackig 2009/05

Geschrieben von Liebel Alexander

„Der Tropfen, der das Fass zum…“

„Änderungen bei der Lehrgangsmeldung und –teilnahme lautet die Betreffzeile eines Briefes der Akademieleitung in Dillingen, der Mitte November –„An alle Lehrkräfte und Schulen in Bayern“ adressiert bei den Schulen einging.
Die Reaktionen aus den Kolleginnen kamen beim vlb prompt und heftig an. Offensichtlich war der Brief der berühmt-berüchtigte Tropfen, der das sprichwörtliche Fass zum Überlaufen brachte. Tenor der Meinungsäußerungen, zugespitzt formuliert: „Jetzt engagiere ich mich für meine Fortbildung und muss auch noch finanziell drauflegen“. Im Kern geht es um die Erhebung einer Material- und Medienpauschale, von Teilnehmerbeiträgen sowie auch um die Berechnung der erstattungsfähigen Reisekosten, die bei den Kolleginnen und Kollegen für erheblichen Unmut sorgen.

Um die Meinungsäußerungen der Kolleginnen und Kollegen richtig einschätzen zu können, muss man sich die Entwicklung in den Schulen innerhalb der letzten Jahre vergegenwärtigen. Die Lehrkräfte an beruflichen Schulen, agierend an der Schnittstelle zwischen Bildungs- und Beschäftigungssystem, unterliegen einem kontinuierlich steigenden Fortbildungsdruck. Der Druck kommt gleichzeitig von innen und von außen. In einer beruflichen Schule kann man nur bestehen, wenn sich –über soziale, pädagogische sowie methodisch-didaktische Kompetenzen hinaus- die Fachkompetenz auf dem neuesten Stand der Wirtschaft befindet. Der Dienstherr sieht das und reagiert mit Forderungen nach Qualitätsmanagement und Fortbildungsverpflichtung.

Das ist in den Kollegien nicht das Problem, denn die Lehrkräfte fühlen sich ihren Schülerinnen und Schülern verpflichtet. Sie engagieren sich enorm!
Es wird allerdings ein Problem daraus, wenn die Lehrkräfte hautnah erleben, wie sich die Rahmenbedingungen für die Fortbildung verschlechtern. Das betrifft die deutlichen Kürzungen bei den SCHILF-Mitteln ebenso wie die Erstattung der Fortbildungskosten. Das ist der Grund, warum das Fass genau jetzt übergelaufen ist.

Der vlb wird –auch in Zusammenarbeit mit befreundeten Lehrerverbänden – dafür kämpfen, dass sich die Fortbildungssituation spürbar verbessert. Da ist das Maximilianeum - nicht Dillingen- gefordert.

kurz&knackig 2009/04

Geschrieben von Liebel Alexander

spickmich-Urteil: Ziel verfehlt

Es ist zwar kein Grundsatzurteil geworden, aber natürlich wird der Richterspruch aus Karlsruhe über den Einzelfall hinaus seine Wirkung nicht verfehlen. Die zum Teil hitzige und kontroverse Diskussion über das aktuelle Urteil des Bundesgerichtshofs in der interessierten Öffentlichkeit und in den Lehrerkollegien zeigt das überdeutlich.

Als Lehrer ist es natürlich schwierig und auch nicht unproblematisch, ein für Lehrkräfte negatives Urteil ablehnend zu kommentieren, dessen bin ich mir bewusst. Dennoch mache ich es, weil ich der festen Überzeugung bin, das Urteil geht im erzieherischen Sinne voll daneben und wird negative Konsequenzen nach sich ziehen.
Letztlich steht es mir nicht zu, das Urteil unter juristischen Gesichtspunkten zu werten, als Pädagoge habe ich aber andere Intensionen und einen anderen Blickwinkel. Dieses Urteil wird das notwendige Miteinander von Schülern und Lehrkräfte nicht fördern, sondern belasten, davon bin ich vollkommen überzeugt. Das Verhältnis zwischen Schüler und Lehrer verlangt nach Vertrauen, Vertrautheit, Sensibilität, Einfühlungsvermögen und, und …, alles Eigenschaften und Fähigkeiten, die in krassem Gegensatz zu Öffentlichkeit stehen. Aber es ist ein Trend unserer Zeit, alles in der Öffentlichkeit auszutragen, ohne Rücksicht auf Verluste. Manche halten das für demokratisch, ich nicht. Dadurch wird häufig viel Porzellan zerschlagen und das Schulklima beeinträchtigt.
Die Befürworter von spickmich.de haben sich juristisch durchgesetzt. Was haben sie zur Verbesserung des Verhältnisses zwischen Schüler und Lehrkraft erreicht.? Nichts, überhaupt nichts! Die „Fronten“ haben sich nur noch mehr verhärtet.
Damit man mich klar versteht: Ich erwarte von Pädagoginnen und Pädagogen, dass sie sich mit ihren Schülern auseinandersetzen, mit ihnen diskutieren, sie unterstützen, sie fördern und sich auch ihrer Kritik stellen. Wem gefällt es schon , wenn er kritisiert wird? Aber nur das ehrliche und offene Gespräch miteinander bringt uns weiter, nicht der mediale Pranger. Davon lasse ich mich nicht abbringen.
Deshalb bleibe ich bei meiner Einschätzung: Das Urteil ist voll daneben, es wird mehr schaden als es nutzt. Eine Chance wurde vertan, leider!

kurz&knackig 2009/03

Geschrieben von Liebel Alexander

Ultimate Fighting: Nagelprobe für die Glaubwürdigkeit der Politik

Ultimate Fighting: Sie kennen den Begriff nicht? Das ist sicherlich keine Bildungslücke. Neugierig geworden durch einen Leitartikel der „Frankurter Allgemeine Sonntagszeitung „ vom 17. Mai 2009 habe ich mich dann doch damit beschäftigt. Google hilft weiter mit 15.200.000 Ergebnissen in 0,17 Sekunden. Es geht im Kern darum, dass sich in einem Drahtkäfig zwei Menschen mit unvorstellbarer Brutalität bekämpfen, schwere und schwerste Verletzungen werden in Kauf genommen. Werner Schneyder, anerkannter Box-Fachmann prognostiziert Querschnittslähmungen und Todesfälle. In Amerika ist dieser „Sport“ inzwischen ein, wie die FAS schreibt, „ Multimillionengeschäft“, das jetzt wahrscheinlich leider auch in Deutschland Fuß fassen wird, wenn man nicht sofort energisch mit allen rechtsstaatlichen Mitteln dagegen vorgeht.

Am 13. Juni soll Köln dieses gewaltverherrlichende Spektakel erstmals in Deutschland stattfinden und, was einem die Zornesröte ins Gesicht treibt, auch für Jugendliche zugänglich sein. Der Rat der Stadt Köln hat sich zwar einstimmig gegen diese Veranstaltung ausgesprochen, wogegen sich der Veranstalter wiederum jetzt mit allen juristischen Mitteln wehrt.

Wenn es Politikern und Juristen nicht gelingt, zumindest Jugendlichen den Eintritt zu verbieten, dann brauchen wir uns über die zunehmende Verrohung in der Gesellschaft nicht mehr zu unterhalten, weil damit endgültig alle Dämme zu brechen drohen. Da geht es nicht mehr um virtuelle Figuren, sondern um Menschen aus Fleisch und Blut.

Am Sonntag wird in diversen Reden mit Vehemenz von der Politik und der Gesellschaft die Werteerziehung an den Schulen eingefordert und die Lehrkräfte in die Pflicht genommen, mit Sensibilität und Einfühlungsvermögen auf die Bedürfnisse der anvertrauten Schülerinnen und Schüler einzugehen. Am darauffolgenden Montag wird der Brutalo-Event Ultimate Fighting genehmigt.

Das soll verstehen wer will, ich tue es nicht! Für mich ist das die Nagelprobe für die Glaubwürdigkeit der Politik. Nicht nur Pädagogen erwarten eine schnelle und eindeutige Reaktion von Politik und Justiz!

kurz&knackig 2009/02

Geschrieben von Liebel Alexander

Bachelorstudiengänge: Chancen und Risiken für die Berufsschule

Niemand anders kann den griechischen Philosophen Heraklit mit seiner These „panta rhei“, „alles ist in Bewegung“, besser verstehen als eine Lehrkraft an einer beruflichen Schule. Angesiedelt an der Nahtstelle zwischen Bildungs- und Beschäftigungssystem wirken sich Veränderungen sowohl im Bildungs- als auch im Beschäftigungssystem unmittelbar auf unsere Schulen aus.

Solch eine „Bewegung“ haben die Bachelorstudiengänge ausgelöst. Untersuchungen über die Auswirkungen der Einführung von Bachelorstudiengänge auf duale Ausbildungsgänge und auf das duale System insgesamt zeigen, dass Verdrängungsprozesse zu Lasten der dualen Berufsausbildung wahrscheinlich sind. Ein Bachelorstudium dauert in etwa so lange wie eine duale Ausbildung. Wenn man berücksichtigt, dass in manchen Ausbildungsberufen 40 und mehr Prozent Hochschulzugangsberechtigte lernen, dann braucht man kein Hellseher zu sein hinsichtlich der Risiken für die beruflichen Schulen. Wenn wir nicht reagieren, dann werden wir die leistungsstärksten Schülerinnen und Schüler verlieren.

Diese Herausforderung kann uns aber auch einen Schritt voranbringen. Berufsschulen müssen in die Lage versetzt werden, besonders leistungsstarken Auszubildenden und deren Ausbildungsbetrieben attraktive Angebote zu machen. Was „attraktiv“ ist, hängt von vielen Faktoren ab, eine pauschale Antwort gibt es nicht . Zwei Grundvoraussetzungen müssen m.E. aber erfüllt sein:

  • Die berufliche (Erst-)Ausbildung muss inhaltlich mit der Weiterbildung verzahnt sein
  • An der Berufsschule erworbene berufliche Kenntnisse müssen an der Hochschule angerechnet werden.

Die beruflichen Schulen haben den Willen und die Kompetenz, die Herausforderung anzunehmen. Wir brauchen dazu Gestaltungsfreiräume durch das Kultusministerium und die politische Unterstützung bei der Frage der Anerkennung unserer vermittelten Bildungsinhalte durch die Hochschulen.

kurz&knackig 2009/01

Geschrieben von Liebel Alexander

Der Informationsdienst des Instituts der deutschen Wirtschaft titelt in seiner Ausgabe vom 5.Februar 2009 u. a.

„ Restrukturieren statt renovieren“.

Thematisiert wird in dem Artikel der Umgang mit dem zweiten Konjunkturprogramm der Bundesregierung.
Nach Meinung des iwd sollen“… die Milliardeninvestitionen in den Bildungssektor mehr sein als kurzfristige Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen für das Handwerk und den Handel …“. Die Wirtschaft fordert darüber hinaus Investitionen in die Bildungsstrukturen.

Genannt werden insbesondere „beschleunigter Krippenausbau, mehr Ganztagsangebote und neue Studienplätze. Abgesehen davon, dass bedauerlicherweise das berufliche Schulwesen nicht explizit genannt wird, zeugt die Haltung des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln von Weitblick und Zukunftsorientierung. Respekt! Da schaut jemand über den Tellerrand hinaus, und zwar deutlich.

Wenn wir ehrlich sind, dann tun die Berliner Konjunkturspritzen der schulischen Bausubstanz schon gut, das wollen wir mal nicht unterschätzen.

Deshalb unsere Forderung:
Renovieren und Restrukturieren!

VLB Verband der Lehrer an beruflichen Schulen in Bayern e.V.
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