VLB-Wahlprüfsteine

Geschrieben von Super User

Liebe Leserin, lieber Leser,

anlässlich der Landtagswahlen hat sich der VLB an die im Landtag derzeit vertretenen Parteien gewandt und Ihnen faktenbasierte Fragen gestellt, die aus unserer Sicht für die Weiterentwicklung des beruflichen Schulwesens, die Interessen der von uns betreuten Schülerinnen und Schüler sowie der von uns vertretenen Lehrkräfte in den nächsten Jahren von zentraler Bedeutung sind.

Alle Parteien haben dazu mit teils großer Ausführlichkeit Stellung genommen. Der VLB erlebt dies als Anerkennung und Wertschätzung und wir bedanken uns herzlich dafür! Wie in unserer vlb-akzente angekündigt, finden Sie hier die vollständige Darstellung aller Fragen und Antworten ungekürzt und im originalen Wortlaut. Klicken Sie dazu in der von uns gestalteten Matrix auf die jeweilige Aussage oder blättern Sie nach unten.

Mit herzlichen Grüßen
VLB-Verlag / Redaktionsleiter vlb-akzente / Hauptvorstand VLB / Referent Schul- und Bildungspolitik

 

Forderungen des VLB

CSU

SPD

Freie Wähler

Bündnis 90/Grüne

1. Vorschläge zum Erhalt wohnortnaher Beschulung in Fachklassen

gemeinsamer Unterricht affiner Berufsgruppen; Differenzierung durch Teilungsstunden

Ausbildungsgarantie mit Umlagefonds; Erhalt kleinerer Fachklassen auch bei höheren Kosten

Erhalt kleiner Fachklassen, Förderfaktor für ländliche Regionen

flexiblere Sprengelregelung, mehr Teilungsstunden, Finanzierungszuschlag für ländlichen Raum

2. Großzügige Umsetzung der "3+2-Regelung" bei Flüchtlingen und Asylbewerbern

Einzelfallregelung, keine pauschale Anwendung

großzügigere Umsetzung im Sinne des Bundesgesetzes

restriktive Handhabung in Bayern muss entschärft werden.

volle Umsetzung der "3+2-Regelung"

3. weitere Stärkung der Gleichwertigkeit von allgemeiner und beruflicher Bildung

wird unterstützt
(vergleiche Einzelvorschläge)

wird unterstützt
(vergleiche Einzelvorschläge)

wird unterstützt
(vergleiche Einzelvorschläge)

wird unterstützt
(vergleiche Einzelvorschläge)

4. weiteres Absinken der Ausbildungszahlen in Bayern vermeiden

wird unterstützt
(vergleiche Einzelvorschläge)

wird unterstützt
(vergleiche Einzelvorschläge)

wird unterstützt
(vergleiche Einzelvorschläge)

wird unterstützt
(vergleiche Einzelvorschläge)

5. Zusätzliche Förderstunden für differenzierten Unterricht

differenzierte Darstellung, Verweis auf Förderstunden zur Inklusion

wird unterstützt

wird unterstützt

wird unterstützt

6. Attraktivitätssteigerung des Berufschullehramts und Steigerung der Referendarsbezüge

differenzierte Darstellung; Referendariat ist Teil der Ausbildung

wird unterstützt

wird unterstützt

wird unterstützt

7. Absenkung der Teilungsgrenze, keine Klasse über 25

Ziel der kleineren Klassen wird über erreichte Verbesserungen hinaus weiter verfolgt

wird unterstützt, aber flexible Regelung sinnvoll, da teils 25er-Klasse noch zu groß

wird in vollem Umfang unterstützt

wird unterstützt als "sinnvolle Maßnahme"

8. Ergänzung der periodischen Regelbeurteilung durch Anlassbeurteilung

CSU offen für Prüfung auf Umsetzbarkeit

grundsätzliche Unterstützung

grundsätzliche Unterstützung

grundsätzliche Unterstützung

9. Senkung des Pflichtstundenmaßes für Lehrkräfte an beruflichen Schulen

derzeit keine Unterstützung

Senkung auf 23 Stunden wird unterstützt

Senkung auf 23 Stunden wird unterstützt

Senkung auf 23 Stunden wird unterstützt

10. Förderung der Digitalisierung

wird unterstützt
(vergleiche Einzelvorschläge)

wird unterstützt
(vergleiche Einzelvorschläge)

wird unterstützt
(vergleiche Einzelvorschläge)

wird unterstützt
(vergleiche Einzelvorschläge)

11. Ausstattung der beruflichen Schulen mit IT-Fachkräften und Fachkräften für Schulsozialarbeit durch den Freistaat

wird unterstützt, jedoch keine Aussage zur Finanzierung

wird unterstützt, Finanzierung durch Freistaat

wird unterstützt, Finanzierung durch Freistaat

wird unterstützt, Finanzierung durch Freistaat

12. Zusätzliche Stellen für FOS/BOS; Erhöhung Planstellenanteil FOS/BOS; integrierte Lehrerreserve FOS/BOS

Differenzierte Aussage; siehe Einzelvorschläge; integrierte Lehrerreserve wegen Spezialisierung nicht sinnvoll

uneingeschränkte Zustimmung

wird auch mit eigenen Initiativen unterstützt

wird als konstruktiv unterstützt

 

 

 

 

Alle Forderungen des VLB und die jeweiligen Antworten der Parteien im Wortlaut


1. Vorschläge zum Erhalt wohnortnaher Beschulung in Fachklassen

 

VLB: Für die bayerische Wirtschaft sind sowohl die wohn- bzw. ausbildungsortnahe Beschulung als auch die Unterrichtung in Fachklassen zentrale Forderungen. In Zeiten zurückgehender Ausbildungszahlen führt dies insbesondere in ländlichen Gebieten zu einem Zielkonflikt.
Welche Konzepte und Handlungsmöglichkeiten sieht Ihre Partei, um bei sinkenden Ausbildungszahlen unzumutbare Anfahrtswege bzw. unangebrachte Zusammenlegungen von Ausbildungsberufen zu vermeiden?

CSU: In Bayern gibt es eine Vielzahl von Ausbildungsberufen. Dies ist wünschenswert und zeigt die Vielfalt an Berufsmöglichkeiten und damit die große Leistungskraft des Freistaats. Bayern ist aber zugleich ein Flächenstaat und deshalb sind Zusammenlegungen z.T. notwendig, um angesichts der Vielzahl der Ausbildungsberufe das Angebot erhalten zu können. Wir vertreten die Ansicht, dass längere Fahrtzeiten von Berufsschülern bis zu einer gewissen Entfernung zu vertreten sind, eher als dies bei einem Grundschüler der Fall ist. Sicherlich muss dies von Zeit zu Zeit überprüft und ggf. nachjustiert werden. In diesem Zusammenhang und um differenzierte Ausbildungsmöglichkeiten zu erhalten, unterstützen wir den gemeinsamen Unterricht von affinen Berufsgruppen in berufsübergreifenden Klassen. Die nötige Differenzierung findet dagegen in Teilungsstunden statt. Diesen Weg halten wir grundsätzlich für sinnvoll. Unangebrachte Zusammenlegungen wollen wir vermeiden und suchen hierzu gerne das Gespräch mit den Verbänden.
Zugleich sehen wir den Ausbau doppelqualifizierender Bildungsgänge (z.B. Erwerb der Fachhochschulreife parallel zu einer Berufsausbildung) als eine unterstützende Maßnahme. Weitere Maßnahmen sind: die Verstärkung der Kooperationen von Berufsschulen mit regionalen Partnern im Weiterbildungsbereich ("Kompetenzzentren für Aus- und Weiterbildung"), der Ausbau der Angebote für nachgefragte Berufe auf dem Land (z.B. staatlich geprüfter Techniker), die zunehmende Nutzung neuer Lernformen (E-Learning, Blockunterricht) sowie die gezielte Unterstützung von Betrieben in der Region, die in Auszubildende investieren (regionale Wirtschaftsförderung).

SPD: Grundsätzlich wollen wir in Bayern eine Ausbildungsgarantie mit Umlagefonds verwirklichen. Allen Menschen in Bayern müssen, wie schon in der Bayerischen Verfassung verankert, eine duale oder schulische Berufsausbildung aufnehmen und ohne Ausbildungskosten erfolgreich abzuschließen können.
Wir wollen ein regional ausgewogenes Ausbildungsangebot. Wer Beratung und Hilfe beim Übergang von der Schule ins Berufsleben braucht, muss die notwendige Infrastruktur vorfinden und unkompliziert die Unterstützung erhalten, die benötigt wird, um sich ganz auf die Ausbildung konzentrieren zu können.
Wir wollen das Duale System der in Landeszuständigkeit fallenden Berufsausbildung/Berufsschulen stärken. Die Qualität ihres Angebotes hängt vor allem mit der Verzahnung mit der betrieblichen Ausbildung zusammen. Dort können auch am besten für die vielen besonderen Situationen (Blockunterricht, weite Wege, Fahrtkosten, Unterbringung Ausbildungszeiten, etc. ) pragmatische Lösungen gefunden werden. Der Freistaat muss entsprechend Mittel zur Verfügung stellen.
Die Neueinteilung der Berufsschulsprengel hat in Teilen Bayern konsequent zur Konzentration einzelner Berufsgruppen und z. B. in der Nordoberpfalz zum "Sterben" ganzer Ausbildungsberufe geführt, weil die Jugendlichen die weiten Fahrten nicht auf sich nehmen. Das ist wegen des Fachkräftemangels eine höchst bedenkliche Entwicklung.
Wir setzen uns wie in anderen Bereichen des Bildungswesens für Mindeststandards in der Versorgung ein. Dies ist auch eine Forderung der Enquete-Kommission "Gleichwertige Lebensbedingungen" des Bayerischen Landtags. Die Konzentrationsprozesse im Bereich des Berufsschulwesens müssen aufgrund dieser Forderung neu austariert werden, auch wenn kleinere Klassen mehr Geld kosten.

Freie Wähler: Die berufliche Ausbildung ist eine der Stärken, die wir in Deutschland haben. Doch die duale Berufsausbildung steckt in einem tiefgreifenden Wandel. Obwohl Bayern hier insgesamt weniger stark betroffen ist als beispielsweise ostdeutsche Flächenländer, wird auch in einigen Teilen Bayerns der Rückgang von Schülerzahlen zunehmend zum Problem. Insbesondere die Ungleichheit in der Verteilung stellt das Bildungssystem vor Herausforderungen. So sinkt im ländlichen Raum die Zahl der Schüler in einem Ausbildungsgang schneller unter die Normgrenze als in den Ballungsgebieten, sodass entsprechende Berufsschulklassen häufig von den ländlichen Regionen in die Städte oder in deren nähere Umgebung wandern. Dies hat aber zur Folge, dass Auszubildende, die sich in der Regel einen Ausbildungsbetrieb in der Nähe der Berufsschule suchen, in den Regionen ohne entsprechende Beschulung zunehmend zur Mangelware werden, sodass sich die Entwicklung fortlaufend zuspitzen wird. Aus Sicht der Freien Wähler bedarf es daher dringend passgenauer und differenzierter Förderinstrumente, die keine Pauschallösungen bieten, sondern dem konkreten Einzelfall Rechnung tragen: Dies bedeutet, dass in Regionen, in denen ansonsten kein ausbildungsortnahes Angebot mehr gewährleistet werden kann, der Erhalt von Berufsschulstandorten sowie auch von sehr kleinen Fachklassen, z. B. durch flexible und ortspezifische Mindestklassenstärken sowie einen Förderfaktor für ländliche Regionen, ganz gezielt gefördert werden muss. Denn einer sonst drohenden infrastrukturellen Ausdünnung kann langfristig nur durch dem Erhalt und gegebenenfalls Wiederausbau einer Grundausstattung an sozialer Infrastruktur auch in den ländlich-peripheren Räumen entgegengewirkt werden, wozu zu allererst die öffentlichen Bildungseinrichtungen gehören. Daneben sollten gerade an den Berufsschulen neben dem klassischen Präsenzunterricht auch didaktisch hochwertige Online-Seminare im virtuellen Klassenzimmer entwickelt und gefördert werden, die einerseits längere Anfahrtswege reduzieren und andererseits einen kontinuierlichen Kontakt und Austausch der Lernenden im Klassenverband ermöglichen.

Bündnis 90/Grüne: Stirbt die Berufsschule im ländlichen Raum, leidet die duale Ausbildung in der Region. Deshalb setzen wir uns für eine möglichst wohnortnahe und ausbildungsortnahe Beschulung ein. Bedingt durch die demografische Entwicklung, dem anhaltenden Trend hin zu einer akademischen Bildung und der Ausdifferenzierung der Ausbildungsberufe ist es eine große politische Herausforderung, für ein flächendeckendes und regional ausgewogenes Angebot an Berufsschulen und Fachklassen zu sorgen.
Aus unserer Sicht braucht es eine zweite Phase des Berufsgruppenkonzeptes. Es muss genau geprüft werden, wo sich das Konzept bewährt hat, wo nicht. Wir sind der Meinung, dass eine flexiblere Sprengelregelung und mehr Teilungsstunden notwendig sind. Darüber hinaus braucht es einen Finanzierungszuschlag für den ländlichen Raum. Wir sind bereit, mehr Mittel in die beruflichen Schulen zu investieren.
Wir wollen zusätzlich massive Anstrengungen unternehmen, um die Attraktivität der beruflichen Bildung deutlich zu machen: durch Investitionen in Gebäude und Ausstattung, mit der Stärkung des Lehrkräftenachwuchses und einer Verbesserung der Berufsorientierung aller SchülerInnen aller Schularten.

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2. Großzügige Umsetzung der "3+2-Regelung" bei Flüchtlingen und Asylbewerbern

 

VLB: "Wir drängen weiter auf die bundesweite ausbildungsfreundliche Umsetzung der wichtigen 3+2-Regelung für den Arbeitsmarktzugang gemäß § 60a Aufenthaltsgesetz." (Zitat aus dem Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU/SPD vom 7.2.18)
In welche Weise unterstützt Ihre Partei in Bayern eine in Zukunft großzügigere und unbürokratischere Regelung in Hinblick auf die 3+2-Vereinbarung?

CSU: Die Rechtsgrundlage für die 3+2-Regelung ist das Aufenthaltsgesetz (hier: § 60a Abs. 2 Sätze 4 und 5 AufenthG).
Die 3+2-Regelung besagt, dass ein Flüchtling, der eine Ausbildung in Deutschland begonnen hat und die rechtlichen Voraussetzungen erfüllt, auch dann die Ausbildung abschließen und eine zweijährige Anschlussbeschäftigung ausüben kann, wenn sein Asylantrag abgelehnt wird. Sind sodann die Voraussetzungen – ein abgeschlossenes Asylverfahren und der negative Bescheid des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge – gegeben, kommt es zur Prüfung, ob auch tatsächlich die 3+2-Regelung angewendet werden kann. Im zweiten Schritt prüft also die Ausländerbehörde, ob es Gründe gibt, die gegen eine Beschäftigungserlaubnis und eine Duldung sprechen. Leitfragen bei dieser Prüfung sind zum Beispiel: Hat der Asylbewerber über seine Identität oder Staatsangehörigkeit getäuscht? Ist er nach Deutschland eingereist, um Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz zu erlangen? Stammt er aus einem sicheren Herkunftsstaat? Werden diese Fragen mit Ja beantwortet, greift die 3+2-Regelung nicht. Maßgeblich ist allerdings der jeweilige Einzelfall. Eine pauschale Anwendung der 3+2-Regelung gibt es daher nicht.

SPD: Wir fordern, das Bundesintegrationsgesetz und speziell die 3+2-Regelung auch in Bayern im Sinne des Bundesgesetzgebers anzuwenden, um sowohl den Geflüchteten als auch den Betrieben Planungssicherheit zu geben. Deshalb hat die Staatsregierung die zuständigen Behörden anzuweisen, die aufenthaltsrechtlichen Bestimmungen (also die Gewährung eines sicheren Aufenthaltsstatus während und nach der Absolvierung einer Ausbildung) vollumfänglich anzuwenden. Die restriktive Praxis des Freistaats Bayern in dieser Frage erscheint weder aus humanitären noch aus pragmatischen Erwägungen nachvollziehbar. Unser Credo lautet deshalb: Alle Bestrebungen und Maßnahmen, die zu einer raschen beruflichen Integration der zu uns Kommenden beitragen, sind begrüßenswert. Bürokratische Hürden, die ein großes Hemmnis bei der Arbeitsmarktintegration darstellen, müssen daher zügig abgebaut werden

Freie Wähler: Die Tatsache, dass die Bayerische Staatsregierung gewisse Gruppen von Menschen mit Fluchterfahrungen vom Ausbildungs- und Arbeitsmarkt ausschließt, ist in unseren Augen weder sinnvoll noch zweckdienlich. Am Beispiel der Gruppe der Afghanen zeigt sich, dass Bayern den Geist der sogenannten "3 plus 2-Regelung" nicht umsetzen will. Wer Menschen, ganz gleich ob jung oder alt, zum Nichtstun verdammt und somit den Nährboden für Kriminalität und Extremismus bereitet, handelt nicht im Sinne der Gesamtgesellschaft. Die restriktive Handhabung hinsichtlich der Ausbildungs- und Arbeitserlaubnisse, bedingt durch das Innenministerium, gilt es zu entschärfen - zum Wohle der Menschen mit Fluchthintergrund und der bayerischen Wirtschaft.

Bündnis 90/Grüne: Die Aufgabe der Bayerischen Staatsregierung ist es, die 3+2-Regelung umzusetzen. Wir setzen uns dafür ein, dass die Ermessensspielräume der regionalen Ausländerbehörden bei der Erteilung von Ausbildungserlaubnissen zugunsten der Ausbildung der jungen Geflüchteten nicht einschränkt werden, wie es im Moment die CSU-Staatregierung macht. Wir wollen somit die Voraussetzung für eine erfolgreiche Integration durch Arbeit und berufliche Ausbildung schaffen, denn wir wissen, dass der gesicherte Aufenthalt und die Beschäftigungserlaubnis ihrer Auszubildenden während der Ausbildungszeit ausbildungswilliger Unternehmen und Betriebe enorm wichtig sind.
Flüchtlinge sollen nicht zum Nichtstun verdammt werden, weil beispielsweise noch kein Anhörungstermin feststeht, die Anerkennungschancen als unklar eingestuft werden, lediglich eine Duldung vorliegt oder sie aus bestimmten Herkunftsländern stammen.
Die geschaffene Unsicherheit erschwert es jungen Geflüchteten, weiterhin die erforderlichen Leistungen für einen guten Schulabschluss zu erbringen. Tausenden Jugendlichen und Heranwachsenden droht ein Leben in der Warteschleife und im erzwungenen Leistungsbezug.
Die Ermöglichung einer Ausbildung im Rahmen einer 3-plus-2-Regelung hingegen ermöglicht Flüchtlingen ein selbstbestimmtes und selbstverantwortetes Leben, hier oder im Heimatland.

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3. weitere Stärkung der Gleichwertigkeit von allgemeiner und beruflicher Bildung

 

VLB: Bereits im letzten Koalitionsvertrag waren Maßnahmen vereinbart, um die Gleichwertigkeit zwischen akademischer und beruflicher Bildung zu stärken. Nur wenige Ziele wurden erreicht, die Leistungen in der Berufsschule finden z. B. nach wie vor keine Anerkennung beim Berufsabschluss.
Welche drei vorrangigen Maßnahmen sollten nach Ansicht Ihrer Partei eingeleitet werden, um die Gleichwertigkeit weiter zu fördern.

CSU: Die CSU ist stolz auf die Berufliche Bildung und dass wir mit Ihr ein international geachtetes und angesehenes Modell besitzen. Die geringe Jugendarbeitslosigkeit und die Spitzenpositionen bei der Beruflichen Bildung, nach bundesweiten Erhebungen unterstreicht deren Effizienz. Wir wissen aber auch, dass wir an einigen Stellen nachbessern und die Berufliche Bildung weiter stärken müssen. Dieser Pflicht kommen wir bereits mit vielen Maßnahmen und Projekten nach und werden diese auch in der kommenden Legislaturperiode als ein Kernthema betrachten. Dabei betonen wir immer wieder die Gleichwertigkeit der akademischen und Beruflichen Bildung. Ob in der öffentlichen Wahrnehmung, aber auch, wenn es um die Beratung von Schulabgängern und insbes. auch von Eltern geht betonen wir dies und werben wir für die Attraktivität der Beruflichen Bildung. Dies gelingt uns bereits effizient durch die "Bayerische Woche der Aus- und Weiterbildung", die durch die Staatsregierung und die CSU nachdrücklich unterstützt wird oder durch die Kampagne "Elternstolz". Im Rahmen von ‚Elternstolz‘ verdeutlichen das Bayerische Wirtschaftsministerium, die IHK und die Handwerkskammern Eltern die Vorteile einer Berufsausbildung gegenüber einem Studium.
Weitere Maßnahmen:
Im Koalitionsvertrag auf Bundesebene haben wir der Beruflichen Bildung einen eigenen Abschnitt gewidmet. Dort haben wir klar festgelegt, dass wir die Studien- und Berufsorientierung an allen Schularten noch weiter ausbauen wollen, damit jeder Schüler den für ihn richtigen Weg findet. Auf diese Weise möchten wir auch die Zahl der Studienabbrecher und -wechsler senken.
Die Anhebung des Meisterbonus erfolgt im kommenden Jahr von 1.000 Euro auf 1.500 Euro. Damit haben wir eine altersunabhängige finanzielle Unterstützung, das "Aufstiegs-BAföG" geschaffen.
Wir nehmen die Digitalisierung in der Beruflichen Bildung in Angriff. Die Zukunftsinitiative "Berufliche Bildung", die Teil unseres Bildungspaktes ist, bringt den Berufsschulen konkrete Verbesserungen. So können Schülerinnen und Schüler zum Beispiel verschiedene Szenarien von "Industrie 4.0" anschaulich und praxisnah erproben. (mehr dazu unter Frage 10).
Das 2017 angelaufene Programm "MINT-Förderung in der Region – MINT-Netzwerk Bayern" für Kinder und Jugendliche verlängern wir um zwei Jahre. Mit der Förderung von bisher acht regionalen Initiativen soll der Fachkräftezuwachs im Mint-Bereich bayernweit sichergestellt werden. Ziel des Programms ist es, in den Regionen eine durchgehende MINT-Bildungskette einzurichten, die vom Kindergarten bis zu einer beruflichen Ausbildung oder einem Studium reicht.

SPD: Erstens unterstützen wir die im Koalitionsvertrag vereinbarte "Offensive für Bildung, Forschung und Digitalisierung" mit den darin enthaltenen Punkten (Modernisierung des Berufsbildungspakts mit einer digitalen Ausstattungsoffensive für berufliche Schulen; bessere Leistungen durch Aufstiegs-BAföG für Gleichwertigkeit von akademischer und beruflicher Bildung; höhere Zuschüsse für Techniker, Meister und Fachwirte; Einführung einer Mindestausbildungsvergütung; Modernisierung der Ausbildungsberufe) und drängen auf eine zügige Umsetzung sowie darauf, dass der Freistaat die genannten Punkte, soweit es in seiner Länderkompetenz liegt, durch eigene Initiativen ergänzt.
Zweitens wollen wir die Rahmenbedingungen der Ausbildung in Bayern verbessern, u.a. durch Schaffung und Ausweitung geeigneter Möglichkeiten zur Teilzeitausbildung sowie durch Abschaffung aller Ausbildungskosten bis zum Erreichen eines Berufsabschlusses. Hierzu zählt auch die Einführung eines kostenlosen Landestickets für Auszubildende.
Und drittens fordern wir, die Situation an den beruflichen Schulen in Bayern zu verbessern, indem Lehrermangel und Unterrichtsausfall bekämpft und eine integrierte Lehrerreserve geschaffen werden.

Freie Wähler: Es ist dringend erforderlich Beratungsangebote für Schülerinnen und Schüler und deren Eltern hinsichtlich der beruflichen Bildung auszubauen und diese frühzeitig im Schulleben zu integrieren. Bereits an Grundschulen, in denen erste Entscheidungen über den weiteren schulischen Werdegang des Kindes gefällt werden, sollten neben Vertretern von Mittelschule, Realschule und Gymnasium auch Vertreter der beruflichen Schulen sowie Vertreter des Handwerks und der Industrie in die Beratungsangebote einbezogen werden.
Des Weiteren gilt es, Kooperationen auch zwischen Gymnasien und beruflichen Schulen sowie berufsorientierende Angebote an allgemeinbildenden Schulen auszubauen sowie die Zusammenarbeit von Universitäten und beruflichen Schulen zu stärken. Dies gelingt beispielsweise auch durch bereits vorhandene Strukturen wie die Universitätsschulen, um universitären Alltag und Schulwirklichkeit zusammenzuführen, aber auch um in anwendungsorientierten Forschungsfeldern zu kooperieren.
Schlussendlich gelingt eine nachhaltige Aufwertung der beruflichen Bildung in Bayern aber nur durch Schaffung guter Rahmenbedingungen an den beruflichen Schulen. Hierzu zählen für uns Freie Wähler in erster Linie eine Steigerung der Planstellen und die Schaffung einer Integrierten Reserve auch an beruflichen Schulen. Nur so lassen sich Unterrichtsentfall, vor allem auch im allgemeinbildenden Teil der Unterrichtszeit, verhindern sowie notwendige Freiräume für die individuelle Förderung oder aber die Stärkung überfachlicher Kompetenzen wie der digitalen oder politischen Bildung schaffen.

Bündnis 90/Grüne: Jahrzehntelang wurde die berufliche Bildung vernachlässigt. Eine Abwärtsspirale aus mangelnder Nachfrage und unattraktivem Angebot kam in Gang. Erst eine höhere Zahl von Studien- gegenüber Ausbildungsanfängern hat aktuell die Problemwahrnehmung verschärft.
Klar ist, wir brauchen gut ausgebildete Fachkräfte ebenso wie AkademikerInnen. Nur wenn der beruflichen Bildung auch politisch wieder mehr Gewicht verliehen wird, kann überhaupt wieder eine Gleichwertigkeit hergestellt werden.
Dieses Bekenntnis wollen wir in politisches Handeln umsetzen – vor allem durch diese drei Punkte:
Zusätzliche Mittel für berufliche Bildung dauerhaft bereitstellen
Investitionen in Gebäude, moderne Ausstattung und einem Budget für Lehrkräftefortbildung
Reduzierung der Wochenstunden der Lehrkräfte an beruflichen Schulen

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4. weiteres Absinken der Ausbildungszahlen in Bayern vermeiden

 

VLB: Im Koalitionsvertrag wurde vereinbart, dass mehr Betriebe für die Ausbildung gewonnen und regionale Ausbildungsmärkte gestärkt werden sollen. In Bayern herrscht bereits jetzt in vielen Regionen ein Mangel an Bewerberinnen und Bewerbern für die duale Ausbildung, insbesondere im Handwerk.
Welche Maßnahmen müssten nach Ihrer Ansicht ergriffen werden, um ein weiteres Absinken der Ausbildungszahlen in Bayern zu verhindern?

CSU: [Die CSU hat auf Frage 3 und 4 eine zusammengefasste Antwort formuliert - siehe Frage 3 - klicken Sie hier; Anm. d. Red.]

SPD: Grundsätzlich wollen wir in Bayern eine Ausbildungsgarantie mit Umlagefond verwirklichen. Allen Menschen in Bayern muss, wie schon in der Bayerischen Verfassung verankert, ermöglicht werden, eine duale oder schulische Berufsausbildung aufzunehmen und ohne Ausbildungskosten erfolgreich abzuschließen.
Wir wollen ein regional ausgewogenes Ausbildungsangebot. Wer Beratung und Hilfe beim Übergang von der Schule ins Berufsleben braucht, muss die notwendige Infrastruktur vorfinden und unkompliziert die Unterstützung erhalten. die benötigt wird, um sich ganz auf die Ausbildung konzentrieren zu können (s. dazu auch Antwort auf Frage 1).
Häufig beeinflussen Eltern zum großen Teil die Berufswahl ihrer minderjährigen Kinder. Hier gilt es anzusetzen. Die Werbekampagne des Handwerks ist hier ein erster guter Ansatz. Darüber hinaus sollte der Staat viel deutlicher machen, dass eine duale Ausbildung keine Sackgasse ist, sondern Grundlage aller möglichen Karriereschritte bis hin zum Studium. Betriebe können ihre Ausbildungen attraktiver machen mit besseren Arbeitsbedingungen und besserer Entlohnung.
Die Mindestauszubildendenvergütung muss z. B. mindestens in Höhe von 80 Prozent der branchenüblichen Vergütung bzw. des vollen aktuellen Studierenden-BAFÖG-Satzes genauso wie eine stärkere Begleitung auch schwächerer Auszubildender erfolgen. Die Arbeitsagentur bietet hier viele Unterstützungsmöglichkeiten.

Freie Wähler: Es geht darum, die Berufsausbildung in der Gesellschaft wieder zu stärken. Für uns Freie Wähler ist besonders die Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung wichtig. Ausbildungsgänge müssen lückenlos miteinander vergleichbar, ein Wechsel in das jeweils andere System jederzeit möglich sein. Zudem wollen wir die berufliche Weiterbildung wie die Meisterausbildung viel stärker als bisher finanziell fördern. Denn der, der seinen beruflichen Weg geht, soll nicht schlechter gestellt sein als der Hochschulstudent. Um die berufliche Ausbildung schon in der Schule zu fördern, fordern wir Pflichtpraktika auch an weiterführenden Schulen. Zudem unterstützen wir die konsequente Fortführung der Allianz für starke Berufsbildung in Bayern.

Bündnis 90/Grüne: In keinem anderen Bundesland haben Jugendliche so gute Chancen auf einen Ausbildungsplatz wie in Bayern. Die Kehrseite: ein Fünftel aller Lehrstellen bleibt sogar unbesetzt. Die regionalen und fachspezifischen Unterschiede in Bayern sind hier groß. Besonders schwer haben es Betriebe, die Nachwuchs in vermeintlich unbeliebten Ausbildungsberufen suchen. Aber auch attraktive Berufe bleiben in vielen Fällen unbesetzt, weil es zu wenige BewerberInnen gibt.
"Nach den vorliegenden Daten gewinnt man nicht den Eindruck, dass die Ausbildungspolitik des Landes (…) mit gesteigerter Intensität nachginge.", so der Ländermonitor Berufliche Bildung 2017 der Bertelsmann-Stiftung zur Situation in Bayern.
Wir wollen, dass die berufliche Bildung in der kommenden Legislatur eine besondere Stellung im neuen Landtag einnimmt. Wir wollen die duale Ausbildung weiter aufwerten. Wir setzen uns für ein Bündnis zur Stärkung der beruflichen Ausbildung und des Fachkräftenachwuchses ein.

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5. Zusätzliche Förderstunden für differenzierten Unterricht

 

VLB: Die Berufsschulen stehen vor größeren pädagogischen Herausforderungen als die meisten anderen Schularten: Flüchtlingsbeschulung; Inklusion; innere Differenzierung; Sprachförderung; Integration; extreme Heterogenität selbst in Regelklassen von fehlendem Schulabschluss bis hin zu Studienabbrechern. Zum "Fördern und Fordern" stehen durchschnittlich nur 0,4 Lehrerstunden pro Klasse zur Verfügung.
Der VLB fordert für pädagogische Zusatzangebote und zur inneren wie äußeren Differenzierung mindestens 1 "Förderstunde" je Klasse. Unterstützt Ihre Partei diese Forderung?

CSU: Wir sehen durchaus die Herausforderung der Berufsschulen durch die Heterogenität der Schülerschaft. Im Zuge des Bildungspakets ist deshalb auch eine personelle Unterstützung geschehen. Auch in der kommenden Legislaturperiode werden die Berufsschulen im Rahmen der finanziellen Möglichkeiten weiter im Fokus bleiben. Aufgrund der sehr unterschiedlichen Gegebenheiten der einzelnen Schulen vor Ort erscheint die Forderung nach einer Förderstunde je Klasse nicht bedarfsgerecht. Eine Differenzierung findet zudem mit Blick auf die erfolgten Maßnahmen im Bereich "Schulprofil Inklusion" für berufliche Schulen statt. Hier wurden Ressourcen in Form zusätzlicher Förderstunden und zur Förderung der Einzelinklusion zur Verfügung gestellt. Beispiele sind die Sprachförderung für Jugendliche mit Flucht-/Migrationshintergrund oder die Begabtenförderung.

SPD: Ja. Wir sind uns nur nicht sicher, ob eine Förderstunde wirklich reicht. Angesichts von zehn Prozent Unterricht, der an den Berufsschulen nicht wie vorgesehen gehalten werden kann, und angesichts der bereits seit Jahren bestehenden Budgetlücke reden wir über ganz andere Gesamtfinanzbedarfe der Berufsschulen.

Freie Wähler: Wir Freie Wähler unterstützen die Forderung von mindestens 1 Förderstunde je Klasse. Hiermit wird die Möglichkeit geschaffen, um an die individuellen Lernvoraussetzungen einer doch sehr heterogenen Schülerschaft an den Berufsschulen durch differenzierte Angebote anzuknüpfen und jedem Schüler die optimale Förderung zukommen lassen zu können. Gleichzeitig lässt sich ein solches Zeitfenster auch dafür nutzen, um soziale Kompetenzen zu fördern sowie Freiräume für überfachliche Kompetenzen, beispielsweise die Persönlichkeits- und Werterziehung, politische oder digitale Bildung, zu schaffen.

Bündnis 90/Grüne: Wir Grüne unterstützen die Forderung des Verbandes. Individuelle Förderung der Schülerinnen und Schüler erfordert mehr Zeit und mehr Lehrkräfte, um den Bedarfen im Unterricht und den von Ihnen beschriebenen Herausforderungen gerecht werden zu können.
Die Berufsschulen weisen eine besondere Heterogenität auf. Deshalb müssen sie entsprechende Förderangebote und Differenzierungsangebote (z.B. Deutsch als Zweitsprache, Wirtschaftsenglisch, BWL usw.) machen können – für die Förderung der Schwächeren, genauso wie die Förderung von Abiturienten. Berufsbildung wird nur attraktiv sein, wenn die Schulen auch Attraktives anbieten können.

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6. Attraktivitätssteigerung des Berufschullehramts und Steigerung der Referendarsbezüge

 

VLB: Seit mehr als 25 Jahren besteht in einigen Fachrichtungen (z. B. Metall, Elektro, IT, teils Wirtschaft und Bau…) ein praktisch durchgängiger Mangel an Lehrkräften. Bei der derzeitig guten Konjunkturlage wächst der Abstand zur Wirtschaft immer mehr.
Welche Möglichkeiten sieht Ihre Partei, das Lehramt an beruflichen Schulen attraktiver zu gestalten, insbesondere in Hinblick auf die Bezahlung während des Referendariats?

CSU: Der Beruf "Lehrer an beruflichen Schulen" ist nach wie vor attraktiv. Das zeigen auch die vielen Bewerber aus der freien Wirtschaft. Der Anteil an klassisch ausgebildeten Berufsschullehrern in Bayern ist vergleichsweise hoch. Voraussichtlich könnte es bereits 2020 wieder mehr Bewerber als Stellen geben. Folgende Anreize bringt ein Lehramt an Berufsschulen per se mit:
Das Referendariat: Es wird sehr geschätzt und, obwohl es Teil der Ausbildung ist, vergütet.
Die Verbeamtung: Insgesamt ist der Lehrberuf in Bayern sehr attraktiv. Bei Vorliegen der entsprechenden Voraussetzungen, werden die bayerischen Lehrer verbeamtet.
Die Besoldung: Diese ist im Vergleich zu anderen Bundesländern deutlich besser.

SPD: Die Attraktivität des Berufs "Lehrer an beruflichen Schulen" hängt vor allem von den Arbeitsbedingungen an den Schulen und dem Ansehen der beruflichen Bildung insgesamt ab. Wenn alle nur übers Gymnasium und übers Studium reden, dann geht das Interesse an und das Wissen über die berufliche Bildung irgendwann verloren. Wenn immer weniger junge Menschen sich an eine gute Berufsschulzeit mit guten Berufsschullehrkräften erinnern, weil sie diese Schulen nicht besucht haben, dann wird auch der Wunsch nicht größer an diesen Schulen Lehrkraft zu sein. Deshalb: Ja, wir brauchen eine ordentliche Referendariatsvergütung, aber wir brauchen vor allem eine viel bessere Berufsorientierung an den weiterführenden Schulen und eine viel größere Wertschätzung für die berufliche Bildung.

Freie Wähler: Das Angebot an Sondermaßnahmen für Quereinsteiger in den genannten "Mangel-Fachrichtungen" muss deutlich ausgebaut und attraktiver gestaltet werden. Gleichzeitig muss auch die grundständige Lehramtsausbildung in diesen Fächern strukturell verbessert werden. Dabei ist es durchaus nachvollziehbar, dass es teils zu Unmut führt, wenn Lehrkräfte im Referendariat teilweise deutlich weniger verdienen als die Auszubildenden, die sie unterrichten. Insbesondere in Fachrichtungen wie IT, in denen Jobangebote aus der freien Wirtschaft aktuell häufig deutlich lukrativer sind, werden wir in Zukunft noch viel stärker von einem Mangel an Personal betroffen sein, wenn nicht auch Möglichkeiten für finanzielle Anreize in Mangelfächern geschaffen werden, um den Bedarf an Lehrkräften zu sichern.

Bündnis 90/Grüne: Es braucht einerseits eine Art Imagekampagne für das Lehramt an beruflichen Schulen bzw. für den Arbeitsplatz Beruflichen Schule. Das bestehende Problem kann aber nicht mit nur "Werbung" gelöst werden. Es braucht mehr Ressourcen und bessere Rahmenbedingungen für die beruflichen Schulen - denkbar wäre auch die Einführung von Prämien bei besonderen herausragenden Einzelleistungen, um eine Wertschätzung ausdrücken zu können.
Vor dem Hintergrund des Lehrkräftemangels an beruflichen Schulen muss auch die geringe Bezahlung im Referendariat diskutiert werden. Die derzeitigen Bezüge reichen nicht aus, um die Kosten für den Lebensunterhalt zu decken. Hinzu kommen monatlich Fahrtkosten zur Ausbildungsschulen, Aufwendungen für Fachliteratur, Schulbüchern und Unterrichtsmaterialien. Wir setzen uns für eine höhere Eingangsbesoldung ein.

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7. Absenkung der Teilungsgrenze, keine Klasse über 25

 

VLB: Im Schuljahr 2017/18 gab es in Bayern noch immer 1200 Klassen mit mehr als 28 Schülerinnen und Schülern alleine an den Berufsschulen.
Unterstützt Ihre Partei die Forderung des VLB nach einer angemessenen Absenkung der Teilungsgrenzen in den Schulordnungen aller beruflichen Schulen mit dem Ziel: "Keine Klasse über 25"?

CSU: Die Staatsregierung arbeitet bereits seit Jahren an einer besseren Schüler-Lehrer-Relation. Dazu ist die demographische Rendite im Schulsystem verblieben, mit dem Bildungspaket 2.000 Stellen bereitgestellt und mit der "Bildungsoffensive Plus" weitere 2.000 Stellen angekündigt worden. Dies mag bei der Größe des bayerischen Bildungssystems mit etwa 6.000 Schulen nicht überall sofort den ersehnten Effekt bringen, aber die Bedingungen an vielen Stellen enorm verbessern. An dem Ziel der kleinen Klassengrößen arbeiten wir weiter. Wieviel wir dafür tun, zeigt auch die Steigerung der Bildungsausgaben. Diese sind seit 2008 von rund 4 Mrd. auf 12,6 Mrd. Euro im Jahr 2018 gestiegen.

SPD: Ja. Wir brauchen an den Berufsschulen wie an allen anderen Schulen sehr gute Lernbedingungen. Dazu gehören auch kleine Klassen. Eine starre Teilungsgrenze lehnen wir allerdings ab, weil manchmal auch mit 25 Schülerinnen und Schülern kein guter Unterricht möglich ist. Für uns gilt: Klare Vorstellungen von guten Lernbedingungen haben, dann Bedarfe erheben und dann Ressourcen entsprechend zuweisen.

Freie Wähler: Wir Freie Wähler fordern seit Langem, die Lehrpersonalversorgung so zu verbessern, dass Unterrichtsentfall auf ein Minimum reduziert wird und Klassen so gestaltet werden können, dass eine individuelle Förderung möglich ist. Hierfür notwendig sind deutlich mehr Planstellen, insbesondere auch an den beruflichen Schulen, an denen die Klassen immer noch sehr groß sind. Wir Freie Wähler haben selbst bereits mehrfach die Absenkung der Klassen auf eine lernförderliche Zahl von 25 Schülern gefordert und können die Forderung des VLB daher in vollem Umfang unterstützen.

Bündnis 90/Grüne: Die Absenkung der Klassenhöchstgrenze ist eine sinnvolle Maßnahme. Dies sollte in einem Stufenplan realisiert werden.

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8. Ergänzung der periodischen Regelbeurteilung durch Anlassbeurteilung

 

VLB: Grundsätzlich steht der VLB zum System der dienstlichen Beurteilung. Allerdings müssen seit dem 1.1.2011 alle Beamtinnen und Beamte bis zum Erreichen der Altersgrenze periodisch dienstlich beurteilt werden. Diese Regelung halten wir aus einer Vielzahl von Gründen nicht für sinnvoll.
Unterstützt Ihre Partei die Forderung des VLB, spätestens nach dem fünften Beurteilungszeitraum die periodische Beurteilung durch eine Anlassbeurteilung zu ersetzen?

CSU: Der Status als Beamter bringt die periodische Beurteilung nach dem Leistungslaufbahngesetz von 2010 mit sich. Sie gewährleistet die hohe Qualität des Systems. Zudem wurde das Gesetz evaluiert. Wir zeigen uns offen für eine Prüfung, inwieweit eine Umstellung auf eine Anlassbeurteilung sinnvoll sein kann.

SPD: Die SPD unterstützt grundsätzlich die Forderung des VLB, die periodische Beurteilung nach dem fünften Beurteilungszeitraum durch eine Anlassbeurteilung zu ersetzen. Ersatzweise könnte eine vereinfachte Beurteilung - wie in anderen Beamtengruppen auch – dann an die Stelle der periodischen Beurteilung treten. Es genügt bei erfahrenen Lehrkräften die Feststellung, dass der Dienst korrekt verrichtet wird und sich keine Unterschiede zur letzten Beurteilung ergeben haben. Sollte der Wunsch nach einer Beförderung in welcher Form auch immer im fortgeschrittenen Dienstalter auftreten, ist ohnehin eine Anlassbeurteilung angezeigt.

Freie Wähler: Grundsätzlich halten wir Freie Wähler das Instrument der dienstlichen Beurteilung für sinnvoll, um die fachliche Leistung, Eignung und Befähigung über einen längeren Zeitraum darzustellen, Entwicklungspotenzial zu erkennen und die Qualität des Unterrichts sicherzustellen. Gleichzeitig sehen wir hier jedoch auch Reformbedarf: Denn die Beurteilung der Schulleitung und die Beurteilung bis zum Dienstende stellen sowohl für Beurteiler als auch für die Beurteilten eine Herausforderung dar. Grundsätzlich wäre ab einem gewissen Dienstalter auch durchaus eine Regelung denkbar, nach der die Frequenz der Beurteilungen bei fortgeschrittenem Dienstalter abnimmt oder diese nur noch durch eine Änderungsbewerbung erforderlich werden.

Bündnis 90/Grüne: Wir unterstützen grundsätzlich die Forderung, dass die periodische Beurteilung nicht bis zur Altersgrenze durchgeführt werden muss. Schon bei der Debatte um das neue Dienstrecht hatten wir gefordert, die periodische Beurteilung zum 57. Lebensjahr, also zehn Jahre vor Erreichen der Altersgrenze, zu beenden, ähnlich der Regelung im alten Dienstrecht. Nachdem Beförderungen auch später noch möglich sind, kann dann eine anlassbezogene Beurteilung durchgeführt werden.

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9. Senkung des Pflichtstundenmaßes für Lehrkräfte an beruflichen Schulen

 

VLB: Nach wie vor beträgt die Unterrichtspflichtzeit bei Gymnasiallehrkräften 23 Jahreswochenstunden; die Lehrkräfte an den meisten beruflichen Schulen in der gleichen Besoldungsgruppe unterrichten 24 Jahreswochenstunden, obwohl sie fast ausschließlich in der Oberstufe unterrichten und einem sehr hohen Fortbildungsdruck unterliegen.
Unterstützt Ihre Partei die Forderung des VLB, das Stundenmaß bei allen Lehrkräften an allen beruflichen Schulen auf 22 JWS zu senken?

CSU: Grundsätzlich gründet die Unterrichtspflichtzeit (UPZ) für einen vollzeitbeschäftigten Beamten auf der wöchentlichen Arbeitszeit von 40 Stunden. D.h. für jede Unterrichtsstunde von 45 Min werden Vor- und Nachbereitungszeiten sowie die Ferien einberechnet. Daraus ergibt sich je nach Schulart und Fach eine UPZ zwischen 29 und 23 Wochenstunden (letztere sind Lehrer in wissenschaftlichen Fächern an Gymnasien oder Berufsoberschulen). Für eine weitere Senkung auf 22 Stunden sehen wir derzeit keinen Anlass. Eine stufenweise Rückführung der regelmäßigen Arbeitszeit von 42 Wochenstunden auf 40 Wochenstunden gab es bis zum 1. August 2013.

SPD: Wir unterstützen das Ansinnen, das dahinter steht. Warum sollen Menschen, die die gleichen Kinder unterrichten, unterschiedlich entlohnt werden? Deshalb treten wir für A13 als Eingangsamt für alle Lehrkräfte ein und können auch mitgehen, wenn alle Lehrkräfte in der Sekundarstufe II die gleiche Arbeitszeit haben.

Freie Wähler: Lehrkräfte an Berufsoberschulen und Fachoberschulen, die in wissenschaftlichen Fächern unterrichten, haben ebenso wie ihre Kollegen am Gymnasium eine Unterrichtspflichtzeit von 23 Stunden. Lehrkräfte an sonstigen beruflichen Schulen, die in wissenschaftlichen oder künstlerischen Fächern unterrichten, haben dagegen eine Unterrichtspflichtzeit von 24 Stunden. Werden Lehrkräfte dagegen an mehreren beruflichen Schulen mit abweichender Unterrichtspflichtzeit eingesetzt, so bemisst sich die Unterrichtspflichtzeit nach dem überwiegenden Einsatz. Dies führt zu sehr unterschiedlichen Pflichtzeiten auch zwischen Lehrkräften, die an der gleichen Schule tätig sind. Für uns Freie Wähler stellt dies eine nicht nachzuvollziehende Ungleichbehandlung, sodass wir uns gerne dafür einsetzen, die Regelungen hinsichtlich der Pflichtzeiten für Lehrkräfte aller beruflichen Schulen auf ein einheitliches Maß zu reduzieren, dass sich jedoch unserer Ansicht nach aufgrund ähnlicher Anforderungen an Vor- und Nachbereitung des Unterrichts sowie Korrekturaufwand nicht von dem der Gymnasiallehrkräfte unterscheiden sollte.

Bündnis 90/Grüne: Unser Ziel ist die Gleichbehandlung aller Lehrkräfte. Es ist nicht hinnehmbar, dass auch die Lehrkräfte an beruflichen Schulen im Vergleich mehr Unterrichtspflichtzeit erteilen müssen. Eine Reduzierung des Stundenmaßes auf höchstens 23 Stunden halten wir daher für angemessen.

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10. Förderung der Digitalisierung

 

VLB: Die Digitalisierungsoffensive wird von Bund und Land gleichermaßen unterstützt. Viele Umfragen und Untersuchungen zeigen jedoch, dass die Ausstattung der beruflichen Schulen als nicht ausreichend beurteilt wird.
Welche wesentliche Ausstattung (Infrastruktur, Hardware, Personal) muss nach Ihrer Ansicht an beruflichen Schulen unbedingt vorhanden sein, damit sie den Herausforderungen der Digitalisierung gewachsen sind? Wie können die Kommunen als Sachaufwandsträger unterstützt werden?

CSU: Mit dem Masterplan BAYEN DIGITAL II tätigen wir massive Investitionen in Milliardenhöhe in die Digitalisierung. Ein großes Förderpaket macht die Schulen in Bayern fit für die digitale Zukunft. Insgesamt haben wir allein für das Jahr 2018 ein Förderpaket mit 212,5 Millionen Euro geschnürt. Wir werden hier zweierlei im Blick behalten. Zum einen fokussieren wir das pädagogisch-inhaltliche Vorgehen mit einer sehr groß angelegten Fortbildungsinitiative für alle Lehrkräfte, zum anderen die Ausstattung. Ab sofort können die Sachaufwandsträger für die IT-Ausstattung eine Förderung des Freistaats von bis zu 90 Prozent der Kosten beantragen. Damit bringen wir die Bildung weiter voran. Mit dem "Budget für integrierte Fachunterrichtsräume an berufsqualifizierenden Schulen" ermöglichen wir den Berufsschulen und ihren Schulaufwandsträgern im Rahmen der rechtlichen und finanziellen Möglichkeiten die Etablierung einer zeitgemäßen Einrichtung von integrierten Fachunterrichtsräumen.
Für die zielführende und nachhaltige Umsetzung der "Digitalen Bildung" in der Schule ist die Einrichtung eines "digitalen Klassenzimmers" für die Räume, in denen regelmäßig Unterricht stattfindet, empfehlenswert: Das digitale Klassenzimmer besteht im günstigsten Fall aus einem Lehrerarbeitsplatz mit einer Präsentationseinrichtung (Desktop-PC, Notebook oder Tablet für die Lehrkraft, Großbilddarstellung, Dokumentenkamera, Audiosystem) und der Möglichkeit für Schülerinnen und Schüler, digitale Geräte (z. B. PCs, Notebooks, Tablets, Smartphones) unter der Verwendung der schulischen Infrastruktur zu nutzen. Gegebenenfalls können die Geräte auf einen zentral bereitgestellten Drucker zugreifen. Das Votum des Beraterkreises zur IT-Ausstattung dient dabei als Orientierungshilfe. Letztlich entscheiden immer die Voraussetzungen vor Ort, der Sachaufwandsträger und ein pädagogisch durchdachtes Konzept, was sinnvoll ist.
Mit der Dachinitiative "Berufsbildung 4.0" – das Programm läuft von 2012 bis 2019 – bündeln wir zusätzlich verschiedene Maßnahmen:
Mit dem Förderprogramm "Digitale Medien in der Beruflichen Bildung" werden Konzepte zur Stärkung der Medienkompetenz von Ausbildern und Beschäftigten entwickelt.
Mit dem Sonderprogramm zur Förderung der Digitalisierung in Überbetrieblichen Berufsbildungsstätten (ÜBS) und Kompetenzzentren wird die Anschaffung ausgewählter Ausstattung der ÜBS im Bereich der Digitalisierung finanziell unterstützt, dabei investieren wir zusätzlich zur Grundfinanzierung in Höhe von jährlich mindestens 40 Millionen Euro – weitere 74 Millionen Euro in die infrastrukturelle und inhaltliche Modernisierung der Überbetrieblichen Berufsbildungsstätten.

SPD: Wir müssen den Einsatz von digitalen Lernmitteln an den Schulen wieder vom Kopf auf die Füße stellen und schlagen vor, schrittweise vorzugehen: Zunächst müssen die Lehrkräfte wissen, für welchen Unterricht sie welche digitalen Lehr- und Lernmittel benötigen. Anschließend müssen IT-Fachleute die technischen Voraussetzungen wie Breitbandanschlüsse, Netzwerke, Hard- und Software schaffen. Klar sein muss auch: Lehrkräfte bringen das pädagogische Know-How ein und erarbeiten Medieneinsatzkonzepte. IT-Fachkräfte sorgen dafür, dass alles reibungslos funktioniert. Die Kosten dafür müssen gesamtstaatlich aufgebracht werden, also von Bundes- und Landesmitteln und von kommunalen Mitteln.

Freie Wähler: Nach Ansicht der Freien Wähler ist die digitale Bildung eine der zentralen Herausforderung unseres Bildungssystems. Wir haben uns daher bereits mehrfach in Form von Anträgen dafür eingesetzt, digitale Bildung an allen Schularten zielgerichtet zu fördern und die Einrichtung und den Betrieb der digitalen Ausstattung durch eine Finanzierung vonseiten des Freistaates bayernweit und unabhängig von der Finanzkraft einzelner Kommunen sicherzustellen. Denn gerade Schulen in finanzschwächeren Kommunen könnten sonst abgehängt werden. Insbesondere an den beruflichen Schulen müssen schnellstmöglich die notwendigen Rahmenbedingungen geschaffen werden, um Schülerinnen und Schülern den bestmöglichen Einstieg in den immer stärker von der Digitalisierung geprägten Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Denn unserer Ansicht ist digitale Kompetenz zu einer unabdingbaren Voraussetzung geworden, um Zukunftschancen des Einzelnen auf dem Arbeitsmarkt zu sichern und zugleich Bayerns wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten. Durch die digitale Transformation der Arbeitswelt wird es in Zukunft kaum noch Arbeitsplätze geben, die nicht in irgendeiner Weise von der Digitalisierung durchdrungen sind. Der Staat steht hier nach Ansicht der Freien Wähler in der Pflicht, diese Entwicklung mit umfassenden Fördermaßnahmen zu begleiten.

Bündnis 90/Grüne: Viele Fragen stehen bei der konkreten Umsetzung der Digitalisierung in den Schulen noch im Raum. Die Finanzierung der technischen Ausstattung der Schulen ist ein Knackpunkt. Für eine angemessene Ausstattung müssen Standards definiert werden.
und dann durch ein Förderprogramm finanziell entsprechend ermöglicht werden.
Klar ist, neben der Gebäudesanierung muss auch die technische Infrastruktur ausgebaut werden. Zu einer zukunftsfähigen Ausstattung der Schulen gehört ein glasfaserbasierter Breitband-Internetzugang. Außerdem gehören technisch gut ausgestattete Klassenzimmer zu einem modernen Unterricht dazu. Die technische Ausstattung der jeweiligen Fachbereiche sollte mindestens auf Augenhöhe mit der Wirtschaft sein.

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11. Ausstattung der beruflichen Schulen mit IT-Fachkräften und Fachkräften für Schulsozialarbeit durch den Freistaat

 

VLB: Die Sachausstattung der Schulen tragen bekanntlich die Kommunen, während für die Personalausstattung der Freistaat zuständig ist. Umstritten dagegen ist, wer für die Personalkosten der dringend notwendigen Betreuung der schulischen EDV-Ausstattung zuständig ist – ähnlich wie beim Personal für die Schulsozialarbeit.
Unterstützt Ihre Partei die Forderung des VLB nach einer bedarfsgerechten Ausstattung der beruflichen Schulen in Bayern mit EDV-Servicekräften sowie mit Fachkräften für die Schulsozialarbeit? Und wie soll dieses Personal finanziert werden?

CSU: Unter dem Motto "Schule öffnet sich" sollen externe Fachkräfte dazukommen. Wir starten das Programm "Schulsozialarbeit" mit 500 Schulpsychologen und Sozialpädagogen als multiprofessionelle Teams. Unser Ziel ist, dass jeder Schüler das bekommt, was er wirklich braucht.

SPD: Ja. Wir brauchen IT-Fachkräfte an den Schulen, das können nicht mehr Lehrkräfte mit ein paar Anrechnungsstunden machen. Diese IT Fachkräfte müssen vom Freistaat bezahlt werden.
Schulsozialarbeiter sind als ständige Mitglieder des pädagogischen Teams einer Schule auch keine Angelegenheit der einzelfallbezogenen Jugendhilfe. Sie sind als Teil eines multiprofessionellen Teams vom Freistaat zu finanzieren.

Freie Wähler: In den vergangenen Haushaltsberatungen haben sich die Freien Wähler dafür eingesetzt, an Schulen die für die digitale Bildung notwendigen IT-Systemtechniker zu integrieren, welche die Betreuung und Wartung der Hardware- und Software-Ausstattung übernehmen können. Auf diese Weise können sich Lehrkräfte, die als Systembetreuer oder medienpädagogisch-informationstechnische Berater eingesetzt werden, im Rahmen ihrer Anrechnungsstunden mit der Ausarbeitung und Umsetzung von Medienentwicklungsplänen sowie pädagogischen Konzepten zur digitalen Bildung an der jeweiligen Schule beschäftigen. Die pädagogische Betreuung bleibt so weiterhin Aufgabe der Lehrkraft, die rein technische Betreuung kann dagegen durch IT-Systemtechniker in den Verwaltungsbereich integriert werden. Auch die IT-Systemtechniker sind unserer Ansicht nach durch den Staat zu finanzieren. Dasselbe gilt unserer Ansicht nach für die Fachkräfte im Bereich der Schulsozialarbeit. Auch hier setzen wir uns immer wieder in den Haushaltsberatungen dafür ein, Schulsozialarbeit in weit stärkerem Umfang als bisher als festen Bestandteil der Erziehungsarbeit an Schulen zu begreifen, der mit entsprechenden finanziellen Mitteln im Einzelplan 05 verankert werden muss. Schulsozialarbeit soll deshalb als fester eigenständiger Bestandteil von Schule als Lern- und Lebensort für die Schülerinnen und Schüler verpflichtend an den Schulen integriert werden und sich im Unterschied zur Jugendsozialarbeit an Schulen (JaS) für sozial benachteiligte und individuell beeinträchtigte junge Menschen im Rahmen der Jugendhilfe an alle Schülerinnen und Schüler wenden. Die Beschäftigung eines Schulsozialarbeiters muss dabei jeder Schule unabhängig von der finanziellen Lage des jeweils zuständigen Sachaufwandsträgers möglich sein.

Bündnis 90/Grüne: Eine langjährige Forderung von uns ist es, die Schulsozialarbeit als originäre Aufgabe des Landes, in der Zuständigkeit, des Kultushaushaltes, zu verankern. In der Gesellschaft und der Schulpädagogik ist längst angekommen, dass die Schule nicht nur ein Lernort, sondern ein Lebensort für Kinder und Jugendliche geworden ist.
Wir sind der Meinung, dass es im digitalen Zeitalter eine neue Diskussion darüber braucht, und neue Regelungen, was heute Personalaufwand und was Schulaufwand ist. Im Falle der Diskussion über IT-Fachleuten an Schulen sieht man das ganz deutlich.
Die IT-Ausstattung muss an Schulen auf dem aktuellsten Stand sein und sicher funktionieren. Professionalisierung der Systembetreuung heißt: Nicht die Informatik-Lehrkräfte sollen ihre Freizeit opfern müssen oder Anschaffungen ungenutzt herumstehen. Ein vom Freistaat bezahlter IT-Hausmeister kann hier Abhilfe schaffen und gute digitale Bildung gewährleisten – während sich die Lehrkräfte auf den Unterricht konzentrieren können.

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12. Zusätzliche Stellen für FOS/BOS; Erhöhung Planstellenanteil FOS/BOS; integrierte Lehrerreserve FOS/BOS

 

VLB: Viele Schülerinnen und Schüler in Bayern nehmen nach Erwerb eines mittleren Schulabschlusses die Herausforderung an, in kürzest möglicher Zeit über den Weg der Fachoberschule / Berufsoberschule (FOSBOS) das Abitur oder Fachabitur zu erwerben. Eine besondere Herausforderung stellt die intensive Verknüpfung von Theorie und Praxis dar, die auf anspruchsvollem Niveau zu allseits anerkannter Studierfähigkeit führt. Das Bildungsangebot der FOSBOS als beruflicher Schule orientiert sich an den Bedürfnissen des Arbeitsmarktes und seinen absehbaren Entwicklungen. Die Sozialstruktur der Elternhäuser zeigt, dass die FOSBOS jungen Menschen Bildungswege und damit Teilhabechancen erschließt, die ihnen sonst versperrt blieben. Aus der Heterogenität der Vorbildung ergibt sich die Notwendigkeit individueller Förderung und Differenzierung. Auch die FOSBOS ist dem Leitgedanken der Forderung "Kein Abschluss ohne Anschluss" verpflichtet und leistet damit einen hervorragenden Beitrag zur Durchlässigkeit im Schulsystem in Bayern. Die FOSBOS in Bayern wird von immerhin fast 60 000 Schülerinnen und Schülern besucht. Sie machen den Großteil des weit über 40 % liegenden Anteils an Hochschulzugangsberechtigungen aus, die in Bayern an beruflichen Schulen vergeben werden.
Wie steht Ihre Partei zu den folgenden Forderungen:
a)Schaffung zusätzlicher Personalkapazitäten zur vollständigen Abdeckung des regulären Unterrichts, insbesondere zur Umsetzung des kompetenzorientierten LehrplanPLUS-Modells;
b) die Herstellung stabiler Personalverhältnisse durch Erhöhung des Planstellenanteils, nachdem derzeit mehr als 20 % der Lehrkräfte nicht im Beamtenverhältnis tätig sind;
c) die Einführung einer integrierten Lehrerreserve, um Unterrichtsausfall durch Krankheit und Fortbildungsteilnahmen der Lehrkräfte zu vermeiden

CSU: a) Die Erfüllung der Unterrichtsversorgung ist ein zentraler Punkt. Aktuell sind alle Planstellen besetzt. Dies wollen wir auch im kommenden Schuljahr fortsetzen. Dafür schaffen wir in den nächsten Jahren rund 2.000 Stellen zusätzlich und verbessern die Rahmenbedingungen für unsere Lehrerinnen und Lehrer und damit für unsere Schülerinnen und Schüler weiter. Die Unterrichtsversorgung an beruflichen Schulen wird zudem 2018 und 2019 um 50 Stellen aufgestockt und die Schulleitungen ab 2019 um eine zusätzliche Stunde Lehrverpflichtung entlastet. Grundsätzlich werden die beruflichen Schulen gemäß der Schülerprognose mit den notwendigen Stellen und Mitteln für einen ordnungsgemäßen Unterricht versorgt. Darauf werden wir auch weiterhin sorgfältig achten. Nichts desto trotz sind die Schülerzahlen an den beruflichen Schulen so volatil wie an keiner anderen Schulart, was u.a. an konjunkturellen Schwankungen liegt. Um kurzfristig auf Schülersteigerungen reagieren zu können, müssen wir auf das probate Mittel befristeter Arbeitsverträge zurückgreifen.
b) Das Anliegen können wir durchaus nachvollziehen und es ist nicht von der Hand zu weisen, dass es sinnvoll ist, dass möglichst alle unsere qualifizierten Lehrer im Beamtenverhältnis stehen. Auf der anderen Seite braucht der Staat aber in gewissem Umfang Flexibilität, v.a. auch aufgrund bereits beschriebener Schülerzahlschwankungen. Wir sind stets bemüht, einen verträglichen Ausgleich zwischen den Positionen zu schaffen.
c) Die Einrichtung einer integrierten Lehrerreserve an den beruflichen Schulen ist aufgrund der diversifizierten Unterrichtsorganisationen sowie der verschiedenen beruflichen Fachrichtungen nicht sinnvoll möglich. Die Spezialisierung der Lehrkräfte ist in der Regel so hoch, dass sie sich nicht gegenseitig vertreten können.

SPD: Wir stimmen diesen Forderungen uneingeschränkt zu. Die Akzeptanz der beruflichen Oberschulen muss zwingend dazu führen, dass die Planstellenausstattung der Schulen in den genannten Bereichen a-c verbessert wird.

Freie Wähler: Wir Freie Wähler setzen uns seit Langem für die Schaffung zusätzlicher Personalkapazitäten in Form von Planstellen an Bayerns Schulen und insbesondere auch an den beruflichen Schulen ein. Zugleich haben wir uns mit einem Antrag im Bayerischen Landtag dafür eingesetzt, dass auch an beruflichen Schulen in Bayern eine integrierte Lehrerreserve eingerichtet wird, um endlich diesen Schularten die Möglichkeit zu geben, auf drohenden Unterrichtsausfall zeitnah und flexibel mit einer qualifizierten Unterrichtsvertretung zu reagieren. Denn Betrachtet man die Statistiken zum Unterrichtsentfall, so zeigt sich, dass gerade hier Maßnahmen zur Abwendung von Unterrichtsausfall dringend nötig wären. Denn berufliche Schulen liegen in den Statistiken zum Unterrichtsentfall nicht nur an der Spitze, was die nicht planmäßig erteilten Unterrichtsstunden betrifft, sondern auch wenn es um den ersatzlosen Unterrichtsausfall geht. Dieser Entwicklung gilt der es unbedingt mit der Schaffung zusätzlicher Lehrerkapazitäten gegenzusteuern.

Bündnis 90/Grüne: Der Weg, das Abitur über eine Fachoberschule oder Berufsoberschule zu erreichen, ist längst kein zweiter Bildungsweg mehr, sondern eine gleichwertige und attraktive Alternative, gerade für Schülerinnen und Schüler, die einen starken Praxisbezug suchen. FOS und BOS boomen seit Jahren. Die Finanzierung hat aber nicht Schritt gehalten. Es fehlt an Lehrkräften, an geeigneten Räumen und Schulgebäuden. Erhöhung des Meisterbonus und ein Stück vom Bildungspaket reichen bei weitem nicht aus, um die Fach- und Berufsoberschule adäquat auszustatten. Daher begrüßen wir Ihre konstruktiven Vorschläge sehr.
Zudem haben wir uns in der noch aktuellen Legislaturperiode dafür eingesetzt, dass das Befristungsdilemma den FOS/BOS beendet wird, weil wir nicht akzeptieren, dass Dauerarbeitsverträge umgangen werden, Ferien nicht bezahlt und billige Tarifverträge abgeschlossen werden, indem Junglehrkräfte nach wenigen Jahren nicht weiter an ihren bisherigen Schulen unterrichten können und stattdessen wiederum Absolventinnen und Absolventen mit befristeten Stellen angestellt werden.

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